samstagabendausflug

samstagabendausflug

samstagabendausflug 19062021

sich im grünen fotografieren wollen

hitzige füsse wandeln über gesprengte wiesen

blitzbaumstammloch lockt als hintergrund

blätter abendlicht spiegelnd wie wild goldener regen

pollen flirren in der weite möglicher elfentanz

elvis klingt im botanischen garten

erster freilufttheaterabend

mit echten zuschauern

lautstarkes froschquaken im teich nebenan

balzspektakel spezial

zwei frösche werben um die fröschin

baumspiegelung im teich

mit in den himmel schwebenden teichrosen

handstandbild

surreales illusionsprodukt

hundewelpenshooting im rosenbeet

aufheulendes herrchen frauchen domptiert

allseits blütenfülle spendende fotokulissen

fette ausbeute barfuß müde nach hause trabend

priggelnde roseschorle zum ausklang

4-Wort-Story: Ballett, Teebeutel, Farbharmonie, Neid

4-Wort-Story: Ballett, Teebeutel, Farbharmonie, Neid

Als ich müde nach Hause komme und den Briefkasten öffne, liegt er drin, der Brief, auf den ich schon seit Tagen gewartet hatte. Absender: Dance Academy Brüssel. Ich halte kurz inne, überlege, soll ich ihn gleich öffnen oder lieber erst nach oben gehen, mir einen Café machen und ihn dann ganz entspannt auf dem Sofa sitzend öffnen? Ich entscheide mich für das zweite. Zu groß ist meine Angst vor dem Inhalt.

Seit ich mit 7 nach dieser blöden Aufnahmeprüfung meinen Traum vom Ballett aufgegeben hatte, habe ich nie mehr auch nur darüber nachgedacht, dass ich das Tanzen zu meinem Beruf machen könnte. Zu tief waren die Wunde und der Schmerz von damals. Doch dann kam Suse Anfang des Jahres mit dieser Ausschreibung. Ich tanzte mit ihr seit ein paar Jahre in meiner Freizeit, manchmal 5 Rhythmen, manchmal einfach nur wild darauf los, wo immer sich die Gelegenheit ergab. Zusammen mit ihr entdeckte ich das Tanzen wieder. In dieser Zeit wurde mir immer mehr klar, wie lebensnotwendig es für mich ist, wie es mich aus meinen tiefen Tälern der Traurigkeit rettete. Wenn ich tanze, dann bin ich eins mit mir, in meiner Mitte, das ist meine Energiesteckdose.

Ich mache es mir auf meinem Sofa gemütlich. Wie sehr ich meine Wohnung liebe, all die schönen Gegenstände, die ich über die Jahre auf meinen Reisen gesammelt habe, vieles aus der Natur, manche ganz eigenwillig, individuelle Einzelstücke. So wie ich. Sie sind mir sehr vertraut, zaubern eine ganz besondere Farbharmonie, die mich immer wieder inspiriert. Vorsichtig öffne ich den Brief und ziehe das Stück Papier heraus. „Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass uns Ihre Bewerbung mit ihrem Video sehr gut gefallen hat und wir Ihnen einen Platz in unserem nächsten Ausbildungszyklus zur Tanztherapeutin anbieten. Wir bitten Sie, uns zeitnah mitzuteilen, ob Sie diesen Platz annehmen wollen. Wir freuen uns auf Sie. Mit freundlichen Grüßen. Leslie Sharon. Leiterin der MasterClass“

Ich kann es kaum fassen, greife zum Telefon, muss sofort Suse anrufen. Sie hat mir so sehr geholfen, hat mich immer wieder getriezt dranzubleiben, wenn ich aufgeben wollte, meine Schichten im Café übernommen, damit ich weiter für das Video proben konnte, hat mir gekühlte Kamillen-Teebeutel auf meine wunden Fußzehen gelegt, hat auch noch an mich geglaubt, wenn ich schon wieder zu viel zweifelte. Ohne sie gäbe es diese Bewerbung, dieses Video, diesen Brief gar nicht. Ich wähle ihre Nummer. „Suse, hast du Zeit? Kannst du vorbeikommen? Ich muss dir etwas ganz Wichtiges zeigen. Ja, bis gleich.“ Als ich auflege, kommen mir Zweifel. Und wenn sie sich nicht mit mir freuen kann? Hatte sie nicht auch gesagt, wie gerne sie sich beworben hätte und sich nur nicht trauen würde? Nicht dass jetzt Neid und Konkurrenz unsere Beziehung zerstört. Noch habe ich die Wahl, ob ich zusage. Ich hoffe, dass sie bald vorbeikommt. Sie klang so anders.

Im Treppenhaus höre ich schon von oben lautes Lachen und Krakeelen. Ein Korken knallt und Papier raschelt. Als ich vorsichtig um die Ecke schaue, kommen sie gerade alle die Treppe hoch. Suse lacht strahlend, Peter, Olli, Sandra, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Auf einem Pappschild lese ich „wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke“ – mein altes Motto.

Suse nimmt mich in den Arm und sagt: „Das willst du doch wohl nicht alleine feiern, oder? Ich habe heute auch einen Brief bekommen. Wir fahren gemeinsam nach Brüssel. Na, da staunst du, was? Dachtest du etwa, ich lass dich das alleine durchziehen?“ Die Überraschung ist ihr gelungen. Wie hatte sie das all die Wochen für sich behalten können? Staunend stehe ich im Flur und denke: manchmal braucht es eben ein bisschen länger, bis Kindheitsträume wahr werden. Da fällt mir wieder mein Motto ein und ich grinse.

Wir feierten lange und tanzten die ganze Nacht. Am nächsten Morgen schickten wir beide unsere Zusage nach Brüssel ab.

 


 

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4-Wort-Story: Taste, Orange, Wichtel, Straße

4-Wort-Story: Taste, Orange, Wichtel, Straße

Im Muggelland ist Alarm. Alle sind auf den Beinen und wollen wissen, was passiert ist.

Gestern Abend zog eine dicke dunkle Wolke über den Himmel. Vorsichtshalber hatte das Oberkomitee schon vor Tagen eine Gefahrenmeldung über die Grashalmpostanlage an alle Bewohner des Landes gesimst. Maggi hatte daraufhin alle Schränke verschlossen und an den Sofas die Sicherheitsgurte befestigt.

„Man weiß ja nie“, hatte sie gesagt, „lieber sind wir vorbereitet, als das am Ende alles wieder so anders ist. Sie hatte auch in der Höhle ihrer drei Töchter, Milli, Molli und Melli, die Gucklochdichtungen erneuert und den Schleusenschlüssel herausgelegt. Bevor ihr Mann Manni das Muggelland wieder verlassen musste, hatte er noch in beide Höhlen eine Sicherheitsschleuse eingebaut, damit seine Frauen in Sicherheit waren, sollte es mal wieder zu einem Faschingsumzug der Wichtelzwerge kommen.

Die Wichtel liebten es im Muggelland ihren Unfug zu treiben, giggelnd klopften sie dann an jede Tür, erzählten Nonsens und baten um Einlass. Und wer nicht schnell genug alle Ritzen geschlossen hatte, da waren sie schon im Haus. Die Wichtel versteckten sich dann gerne in den Schränken und wollten mit ihrer lustigen Art dafür sorgen, dass die Muggel:innen aus ihrem Kontroll- und Ordnungszwang ausstiegen. Doch für die meisten Muggels war das unmöglich. Sie wollten ihre Ruhe und ihre Ordnung. Alles sollte so bleiben wie es war. Bloß keine Veränderungen.

Manni, dessen Mutter eine Wichteline war, hatte ihnen oft erzählt, wie es im Wichtelland zuginge. Der Oberwichtel würde immer wieder ein langes Seil, an dessen Ende eine große reife Orange hing, vom höchsten Baum des Waldes als Pendel schwingen lassen und wisse dann, zu welcher Zeit die Muggels die nächste Dosis an Informationen bräuchten, damit die Entwicklung im Muggelland vorwärtsginge.

Für Manni war es nie einfach. Die ersten Jahre war er bei seiner Mutter im Wichtelland aufgewachsen, doch dann war er zu groß geworden und seine Mutter sandte ihn zu seinem Vater ins Muggelland. So reiste er seitdem immer wieder hin und her und war innerlich oft zerrissen. Er liebte seine Eltern, doch die Lebensweisen beider waren so unterschiedlich.

Als er dann Maggi getroffen hatte, musste er sich entscheiden. Muggel oder Wichtel. Er entschied sich für Maggi. Doch nun lag seine Mutter im Sterben und er brachte es nicht übers Herz, sie alleine im Wichtelland ihrem Schicksal zu überlassen. Er war schon 4 Wochen fort aus Muggelland und wusste seit ein paar Tagen, dass die Wichtel einen magischen Plan umsetzen wollten. Das Ziel war die Muggelstadt, in der seine Frau und seine 3 Töchter lebten.

Wie konnte er sie nur warnen? Die Wichtel hatten die Straße ins Muggelland sowie den internationalen Zugang zur Grashalmpost besetzt. Er konnte nur hoffen, dass Maggi all die von ihm erdachten Sicherheitssysteme aktivieren würde und nicht leichtsinnig, wie sie aber jedoch einmal von ihrem Naturell her war, die Nachrichten vom Oberkomitee nicht ernst nehmen würde. Diesmal war es wirklich kein Spiel.

Den Wichteln war es überaus wichtig, dass ihre geplante Blitzaktion gelingt. Er hatte von seiner Tante gehört, dass letzte Woche eine Sicherheitskonferenz in Wichtelmania stattgefunden hatte. Großmutter Erde, die zu dieser Sitzung eingeladen hatte, legte dort die neusten Erkenntnisse der Entwicklung auf den Tisch und warnte alle: Wenn sich nicht bald etwas im Muggelland ändern würde, dann würde sie sich schütteln und selbst dafür sorgen, dass sie ernst genommen würde. Sie nahm eine Taste aus dem System der Lebensquellorgel heraus und übergab sie an den Oberwichtel, mit der Aufgabe, dass er diese zum Oberkomitee ins Muggelland bringe. Und sie erklärte: „Erst wenn die Muggels diese Taste zum hellen Klingen gebracht haben, darf diese wieder mitspielen in der Musik der Welten. Ansonsten schalte ich sie aus.“

Manni überlegte, ob er sich nicht als Mittler zwischen den Ländern zur Verfügung stellen sollte. Er kannte beide Seiten. Seine Mutter würde ihn verstehen und er würde seine Tante bitten, bei ihr zu bleiben.

 


 

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