Mimi zog sich bockig ihren Schlafanzug wieder an. Das machte sie immer so, wenn Papa ihr nicht sofort und gleich ihre Wünsche erfüllte. Mit großen Augen und einem dicken Schmollmund streifte sie dann zurück in ihr Kinderzimmer. Soll er doch sehen, wie er mich wieder zum Lachen bekommt. Mir egal. Ich bin jetzt bockig. Dabei hatte der Tag so schön begonnen. Papa war nach einer Woche endlich wieder von seiner Reise nach Hause gekommen und hatte sich den ganzen Tag freigenommen, um mit ihr zu spielen. Schon am Montag hatte sie darüber nachgedacht, was sie mit ihm unternehmen könnte. Schaukeln, buddeln, Geschichten lesen, trödeln, Eierkuchen backen oder am liebsten Autofahren. Das Liebte sie am meisten. In diesem kleinen Gefährt zu sitzen, das Vibrieren des Motors zu spüren und ihren Vater fluchen zu hören, wenn die anderen auf der Straße nicht das taten, was er gerne wollte. Sie waren entweder zu langsam oder zu schnell, zu nah oder wechselten einfach ohne zu Blinken die Spur. Da war ihr Vater voll in seinem Element und sie habe ihn schon ganz oft gefragt: „Du Papa, wenn ich groß bin, bringst du mir dann das Autofahren bei?“ Dann lächelte er und streichelte ihr liebevoll über den Kopf.

Und jetzt dieses große laute Nein von ihm. Sie konnte es gar nicht verstehen. Sie hatte doch schon die ganzen Jahre über in ihrem Kinderzimmer geübt. Seit dem Tage, an dem ihr ihr Papa diesen schönen großen Teppich mit der Verkehrskreuzung und den Verkehrsschildern geschenkt hatte. Sie setzte sich ans Steuer ihres großen Holzautos und fuhr wieder und wieder die aufgemalten Straßen ab. Und ihre Kasperlepuppe Zwerg Nase hat immer mit aufgepasst, dass sie nicht zu schnell um die Ecke fährt. Dann ist er nämlich immer auf dem Beifahrersitz umgefallen und hat sie angestupst und sie wusste sofort, oh jetzt war ich zu schnell. Doch das ist ihr doch schon lange nicht mehr passiert. Sie hatte ihr Auto voll im Griff.
Mimi überlegt, was sie tun sollte. So schnell wollte sie nicht aufgeben. Sie schnappte sich ihre neue Hose, die Mama ihr letzte Woche mitgebracht hatte. Zwinkernd hatte sie ihr auch noch ein Geschenk mitgebracht und sagte: wenn du nächste Woche mit Papa Pferde stehlen gehen willst, dann brauchst du auch einen Hut. Den setzte Mimi sich jetzt auf, zog ihn sich tief ins Gesicht und ging mutig ins Wohnzimmer, wo Papa Zeitung lesend noch am Frühstückstisch saß. Er schaut nicht auf und sie überlege, wie sie es geschickt einfädeln könnte,
ihn doch noch von ihrem Plan zu überzeugen, ihr das Auto fahren beizubringen. Immerhin war sie vor ein paar Wochen schon 8 geworden.  Sein großes Mädchen, wie er es immer vor anderen sagte.

„Papa?“ flüsterte sie leise. „Nein Mimi, du hast meine Antwort gehört.“, unterbricht er sie. „Du weißt doch noch gar nicht, was ich sagen wollte“, entgegne sie ihm empört. Er schaut hoch und verzieht das Gesicht, als ob er gerade in eine Pampelmuse gebissen hätte. „Da hast du ganz Recht, liebes. Was wolltest du mich denn fragen?“
Er streckt den Arm nach ihrem Hut aus, zieht ihn nach hinten und schaut Mimi in die Augen.
In diesem Moment verschwand in ihr der Mut, sie holte tief Luft und sagte: „Ich wollte dich fragen, ob du mit mir im Garten ein Baumhaus mit Leiter bauen willst.“ Freudestrahlend nahm er sie in den Arm, gab ihr einen Stups auf die Nase und sagt: „Na klar, dass machen wir. Ich dachte schon, du willst schon wieder Autofahren lernen. Geh doch schon mal aus dem Keller deinen Werkzeugkasten holen, ich komme auch gleich in den Garten.“ Mimi strahlt, doch bevor sie in den Keller geht, holte sie noch ihren kleinen Freund Zwerg Nase. Ohne ihn stürzt sie sich nie in ein Abenteuer. Und das wird eins werden.