Monatsrückblick Juni 2021: ein Treffen nach dem anderen 

Ich wünsche mir oft, ich hätte statt 24 gerne die doppelte Stundenanzahl pro Tag zur Verfügung. So ging es mir auch in diesem Monat einmal wieder. Ich habe einfach zu viele Ideen, die noch auf ihre Umsetzung warten … doch eines weiß ich: ohne Schreiben und kreativem Gestalten geht in meinem Leben gar nichts. Währenddessen blühe ich auf, finde meinen Ausdruck, das ist zu meiner Form des mich Zeigens geworden. Daneben gibt es noch meine Familienbaustelle und meine Arbeit, die auch ihren Raum zu Recht beanspruchen und nicht zu kurz kommen wollen. Es ist ein täglicher Balanceakt, der mir mit der Hitze als zusätzliche körperliche Herausforderung in diesem Monat manches Mal ein spontanes kreatives Umdenken abverlangte. Doch wer nicht wagt, der auch nicht gewinnt.

Wenn alte Wunden heilen

Vor 10 Jahren habe ich einen damals mutigen Schritt gewagt: ich habe meine innere ‚Reißleine‘ gezogen und den Kontakt zu meinem Vater abgebrochen. Nicht weil ich ihn nicht mag, sondern weil ich mit ihm in einem toxischen Beziehungsgeflecht verstrickt war. Ich bin gegangen, um mich zu schützen, um aus einer ungesunden Ursprungs-Dauermissbrauchsschleife auszusteigen.
Seitdem hat sich in meinem Familiensystem viel getan, ich habe mir damals therapeutische Hilfe geholt, um diese Verstrickung zu verstehen und zu lösen, habe viel Zeit in die Aufarbeitung früherer Familiengeheimnisse investiert, denn ich wollte vor allem meinen Frieden mit all dem Vergangenen finden.

Seit rund einem Jahr lebt mein Vater nun nicht mehr bei mir um die Ecke. Nach einem Oberschenkelhalsbruch holte meine Schwester ihn zu sich in ihre Nähe. Seitdem lebt er in Schwerin in einem Pflegeheim. Dafür, dass sie damals die Pflege von ihm von mir übernommen hat, bin ich ihr bis heute sehr dankbar. Das hat mich sehr entlastet, auch wenn sie bis heute einen großen Groll gegen mich hegt, denn sie wollte meine Entscheidung nie verstehen.

Schon länger wuchs in mir das Bedürfnis, meinen Vater noch einmal zu sehen. Nachdem Anfang diesen Jahres mein Stiefvater gestorben war, drängelt sich dieser Wunsch immer mehr nach vorne. Doch auch meine Angst wuchs mit diesem Wunsch: Wird er mich überhaupt noch erkennen? Bekommt er wieder einen seiner berühmten Wutanfälle? Will er mich nach so langer Zeit überhaupt noch sehen? In meinem Kopf kreisten wilde Szenarien dieser ersten Wiederbegegnung. Dann ging auf einmal alles ganz schnell. Eine Freundin rief an, ob ich übermorgen mit ihr nach Schwerin fahren würde. Ich sagte spontan JA. So machten wir uns am sonnigen 5. Juni auf den Weg nach Schwerin. Wir kamen genau zur Mittagsruhe im Pflegeheim an. Mystische Stille, alles leer. Wir fanden eine Schwester, die nach ihm sah und dann war es so weit: ich stand in der Eingangshalle und sie kam mit meinem Vater um die Ecke. Er hielt sich an seinem Rollator fest, schlich langsam vorwärts, hatte keine Ahnung, wer ihn denn besuchen würde. Dann blieb er stehen und hielt inne. „Ach meene Kleene, dit is ja eene Überraschung. Wo kommst du denn auf einmal her?“ Er konnte es kaum glauben, seine Augen fingen an zu leuchten. Mir steckte ein Kloß im Hals, mein Herz raste, meine Knie zitterten. Da stand er, mein Papa, alt und zerbrechlich und sich wie ein kleines Kind freuend. Vergessen waren all die früheren Zeiten. Wir gingen eine Runde spazieren, danach wollte er mich überall vorstellen, wollte stolz jedem seine ‚kleene Tochter‘ zeigen. Ich blieb eine Stunde. Das war für alle für den Anfang genug. Ein zerrissenes Band wurde zu einer neuen Freudeschleife. Und eines war mir klar: das war nur ein Anfang und nicht mein letzter Besuch bei ihm.

zum Abschied vom Besuch ein gemeinsames Bild - mittlerweile hängt es gerahmt an seiner Wand

Heute verstehe ich vieles besser, habe ihm seit langem schon vergeben. Das war notwendig und es hat wirklich lange gedauert. Doch manchmal dauert es eben länger, bis es reif ist. Meine wichtigste Erkenntnis aus diesen 10 Jahren: Wir werden alle in ein bestimmtes Familiensystem geboren, erleben dort manchmal nicht nur Schönes, doch jeder gibt immer sein Bestes (auch wenn es sich in manchen Momenten erst einmal nicht so anfühlt).
Als Kind hat man keine Wahl, doch irgendwann trägt man als Erwachsener die VerANTWORTung zu überprüfen, was von all dem Ganzen das ganz Eigene ist, um seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Bei mir war es ein intensives „sich von altem Dunklen freischwimmen“. Doch es hat sich für mich gelohnt, diesen (nicht immer leichten) Weg zu gehen. Heute habe ich meinen inneren Frieden mit allem und gehe meinen selbst gewählten Weg.

erfrischende Regendusche am Brunnen nach dem Besuch im Pflegeheim am Pfaffenteich in Schwerin das wäre meine Lieblingsbuchhandlung, wenn ich in Schwerin leben würde ...

Mein neues Buch und ein Schreib-Buddy-Treffen im Kassel

Seit Oktober letzten Jahres schreibe ich an einem Ratgeber-Buch: Einen Leitfaden für junge Menschen zum Orientieren, wenn sie das Elternhaus verlassen. Dieses Buch enthält Tipps und Tricks, um den Start auf den eigenen Füßen erfolgreich zu meistern. Das Buch befindet sich gerade noch im letzten Redaktionsmodus, soll spätestens im September erscheinen.

Buchcover meines Buches, welchem im September erscheinen wird

Auslöser für dieses Buch war der RatgeberHero-Kurs bei Yvonne Kraus, aus dem eine kleine Schreib-Buddy-Gruppe entstand. Nach all den Monaten mit wöchentlichen zoom-Kachel-Treffen wollte ich endlich einen meiner Co-Buddy, Doris Goede, in ihrem Haus in Kassel besuchen fahren. Das Ziel war, uns gegenseitig zu inspirieren, bei technischen Fragen zu helfen und zu schreiben.

Da ich noch nie in Kassel war, obwohl mir jede neue Documenta einen Lockruf gesandt hatte, fuhr ich endlich los. Ich liebe es Zug zu fahren, denn es ist einer meiner Lieblingsschreiborte. Im Zug fließt meine kreative Quelle wie von selbst.

In Kassel nahm mich Doris freudestrahlend am Bahnhof in Empfang und wir führen erst einmal in ihr Haus. Sie hatte mir dort einen wundervollen Raum nur für mich kreiert. Trotz hoher Temperaturen machten wir uns auf den Weg und sie zeigte mir die schönen Grünanlagen der Documenta-Stadt und den Botanischen Garten. Doris ist eine wahre Wissensquelle, wenn es um die Kunst und Architektur von Kassel geht. Neben dem Spazieren und Fotografieren erzählten wir uns viel über unsere Lebenserfahrungen, experimentierten in Canva herum, motivierten uns zum Schreiben und aßen die ganzen Tage über immer wieder Wassermelone, Wassermelone, Wassermelone. Am Sonntag fuhr ich mit ganz vielen Impressionen im Gepäck wieder mit den Zug nach Hause. So ein Wochenende werden wir auf jeden Fall wiederholen.

die Documenta-Architektur der verspiegelten Scheiben lud zum Fotografieren und zum Staunen ein

die kostenfreie Bring-und-nimm-Bibliothek im Botanischen Garten ließ mein Buchhändler-Herz höher schlagen – 1 Buch finde ich bei solchen Gelegenheit immer, was mit nach Hause darf 😉

Fotoshooting am ICH-Denkmal

in Kassel gab es aber nicht nur Wassermelonen 🙂 , sondern auch andere schöne Leckereien zum Essen

einmal im Leben auf dem ICH-Podest – gibt es nur in Kassel und Frankfurt

 

Nach 1 Jahr nur online das erste Treffen vom Journal-Schreibkurs

Seit über einem Jahr schreibe ich mit 6 anderen Menschen online in einem Journal-Schreibkurs. Jede Montag gibt es einen Schreibimpuls, meist ein Zitat, max. 7000 Wörter dürfen es werden und am Ende der Woche stellen wir unsere Texte in ein geschütztes Forum und geben uns wohlwollend wertschätzendes Feedback.
Nun nach einem Jahr hatten wir beschlossen, dass wir uns einmal kennenlernen wollen, denn bisher kannten wir nur unsere Vornamen und unsere Texte, jedoch nicht persönlich.

Das war ein interessantes Experiment. Es war ein bisschen, wie wenn man ein gutes Buch gelesen hat, in seinem Kopf sich die ganz eigenen Fantasien zu den Protagonisten gebildet hatten – und nun wird dieses liebgewonnene Buch verfilmt und man geht ins Kino und sieht die Umsetzung in der Realität.
Somit lag eine gewisse Spannung in der Luft als wir nach und nach im Garten einer Mitschreiberin ankamen. Ein kurzzeitiges Fremdeln, dass jedoch schnell einer herzlichen Stimmung wich.

Da ich es nicht lassen kann (weil ich einfach grundsätzlich eine Geschenkefrau bin) hatte ich mir eine kreative Ehrung für unser gemeinsames Schreibjahr in Corona-Zeiten ausgedacht und ein gebundenes Buch mit all den gesammelten Schreibimpulsen drucken lassen, mit einem schönen Cover und einem persönlichen Lesezeichen für jeden. Diese Überraschung löste bei allen eine große Freude aus. So genossen wir alle den gemeinsamen Nachmittag, labten uns genüsslich an den von uns mitgebrachten Leckereien und waren in den persönlichen Gesprächen manchmal noch überrascht, wenn das in der Fantasie gesponnene Bild vom realen Erleben der Person überschrieben wurde. Auf jeden Fall schreiben einige von uns gemeinsam weiter … und vielleicht kommen in der Zukunft auch noch weitere neue Journal-Schreibende dazu.

Buchcover vom Überraschungsbuch    Cover vom eigenen Journalbuch

 

Was sonst noch im Juni 2021 passierte

 

• Weiterbildung: Motivational Interviewing* Modul 3

Auch das letzte Modul meiner Weiterbildung in Motivational Interviewing bei der GK-Quest fand wieder im Remote-Modus statt. Doch ich bin sehr froh, nun den Abschluss als MI-Expertin in der Tasche zu haben. Diese Gesprächstechnik ist eine großartige Bereicherung für jede Form von Miteinander, begleitendes Coaching und Beratung.
(*Motivierende Gesprächsführung in der (Sucht-)Beratung)

• Pilates forever fit – jede Woche 2-3 Stunden

Es ist schon krass, wieviel Freude regelmäßiges Training im Leben generiert, wenn es erst einmal zu einer festen liebgewordenen Gewohnheit geworden ist.

• meine Anmeldung bei The Content Society

Nach 8 Wochen Blog-Schnuppern in The Blog Bang, stehe ich zwar immer noch am Anfang, doch da ich mir das Schreiben aus meinem Leben nicht mehr wegdenken kann, war mir klar, es muss irgendwie weitergehen, und zwar gemeinsam mit anderen: daher kam dieses Jahresangebot wie gerufen. Ich werde in den nächsten Wochen meine Content-Ängst und mein Imposter Syndrom Stück für Stück weiter ablegen, denn ich kann nur gewinnen. Ganz nach Sympatexter-Judiths Leitspruch: BLOG LIKE NOBODY’S READING werde ich dranbleiben und immer mehr ins Tun kommen.

bezahlt!!! - jetzt gibt es kein zurück mehr ... und auch mit Instagramm freunde ich mich immer mehr an ...

 

ich liebe es, die Natur zu fotografieren und besondere Momente festzuhalten – zum Beispiel über Kopf zu fotografieren – dann beginnen Seerosen zu fliegen – eine perfekte optische Täuschung Tipp: einfach mal auf den Kopf stellen oder im Handstand anschauen 😉

jeden Monat gehe ich zum Gesangsunterricht und singe dort voll Freude in den höchsten Tönen – ein wahrer Immunbooster in diesen Zeiten, mit gute-Laune-Garantie!

 

 

Hierüber habe ich im Juni 2021 gebloggt

12von12

• In der Rubrik: Satzzeichenfreie Zone
samstagabendausflug

• Täglich: Daily Inspirations