Sehnsuchtsorte: am Wasser
Wohin mein Herz es zieht und warum?
In der The Content Society findet in diesem Sommer wieder eine Blogparade statt. 104 Blogger:innen haben sich in den Kopf gesetzt, neues Wissen zu generieren. Jede von ihnen zu einem anderen Thema. Eine davon ist meine Bloggerfreundin Susanne Heinen, mit der ich schon 2023 das wunderbare Projekt der #farbkreisreise zusammen kreiert habe, woraus schlussendlich mein Buch 1 von 365. Jeden Tag ein Bild entstanden ist.
Dieses Mal hat Susanne Heinen im Rahmen der Blogparade zu folgendem Thema aufgerufen:
Deine Sehnsuchtsorte. Wohin zieht es dein Herz und warum?
Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.
An der See
Auch wenn ich schon seit über fünf Jahrzehnten in der Großstadt lebe, liegt einer meiner Lieblingssehnsuchtsorte am Wasser. Gerne wird Berlin wegen seiner vielen Flussläufen und Seen auch Klein Venedig genannt.
Doch umso älter ich werde, zieht es mich an die richtige See. Dorthin, wo der Wind so richtig braust, das Wasser auch mal tosend rauscht und die Gischt wild über die Mole stobt. Das ist ganz nach meinem Geschmack.
Wenn am weiten Horizont sich die Wolken ein Wettspiel liefern und ich aus der Ferne sehe, wie dort weit draußen der Regen fällt oder die Sonne hinter den Wolken hervorscheint und mit ihren lichten Strahlen das Wasser zum Glitzern bringt.
Deshalb reise ich gerade so oft wie möglich an meinen derzeitigen Lieblingsort nach Sassnitz, auf Rügen. Nicht nur wegen des Wetters, nein auch, weil ich hier meinen schönen Schreibort gefunden habe.

Hiddensee
Schön zu DDR-Zeiten hat mich Hiddensee angezogen. Mit einer Freundlich fuhr ich nicht nur im Sommer so manches Mal Samstag früh mit dem ersten Zug nach Stralsund los. Nur mit ein paar Klamotten, ein wenig Essen und einem Schlafsack im Rucksack fürs Wochenende.
Mit der ersten Fähre ging es dann weiter nach Neuendorf. Von dort klapperten wir über die Insel (ohne Gartenzäune und Autos!) die Häuser ab, klingelten, wo es uns gefielt und fragten nach einer Unterkunft für die Übernachtung. Es fand sich immer irgendwo ein Plätzchen. Wir waren anspruchslos. Damals war das auf der Insel noch möglich, heute wäre dies undenkbar. Die Insel ist schon lange nicht mehr so, wie sie früher war. Auch hier ist der Tourismus der Reichen eingezogen.
Als dann vor Jahren das Buch „Kruso“ von Lutz Seiler erschien, musste ich das Buch sofort lesen. Ich war so neugierig darauf, wie er das früher beschrieb. So manche Erinnerung tauchte wieder auf. Das waren damals echt noch andere Zeiten.

3 Inseln …
Drei Inseln, auf denen ich schon war und wo ich gerne noch einmal wieder hinreisen würde. Doch vielleicht schlagen mir auch hier meine Träumereien an schöne alte Zeiten nur ein Schnippchen. Denn lange ist es her, dass ich auf diesen Inseln weilte. Mit jeder verbinde ich wunderbare Erinnerungsperlen, schöne Begegnungen, Erlebnisse und ganz viel Verbundenheit mit den Naturwesen.
Kreta
Auf Kreta war ich Mitte der 90er zusammen mit meiner Tochter im Frühling. Alles blühte, es war nicht zu heiß und auch nicht zu kalt, wir wanderten durch die Schlucht, lagen an Wasserzungen und verbrachten die Abende mit Freunden.
Irland
Mit Irland verbinde ich eine Zeit, in der ich das erste Mal ohne Verpflichtungen unterwegs war. Die Carl Duisberg Gesellschaft hatte mir ein Sprachstipendium für vier Wochen in Dublin geschenkt. So wurde ich mit 30 Jahren zur Austauschstudentin und wohnte bei einer Gastfamilie.
Ich war es nicht gewohnt, dass mir jemand die Wäsche wäscht und das Essen immer pünktlich auf dem Tisch steht, ohne dass ich dafür zuständig war. Vormittags lernte ich Englisch und nachmittags zog ich mit meinen Mitkommilitonen durch Dublin, um das Gelernte gleich praktisch anzuwenden.
Nach einem Glas Guinness wurden meine mündlichen Sprachversuche immer besser. Die vier Wochen waren eine sehr unbeschwerte Zeit und ich hatte ganz schön zu tun, um danach zurück in Berlin wieder in meinen Alltag als Mutter und Vollzeitangestellte zurückzufinden.
Australien
Meine Reise nach Australien war eine der wichtigsten Reisen meines bisherigen Lebens.
Als wir in Sydney nach 24 Stunden Flug ankamen, fühlte ich mich gleich willkommen. Zum Glück hatten wir drei Ankommenstage in einem Hotel gebucht, um uns an die Zeitumstellung zu gewöhnen.
Danach ging es weiter nach Alice Springs, wo wir uns mit 14 anderen Medicinefrauen trafen, um zehn Tage in Stille um den Uluru und die Kata Tjutas – die heiligen Berge der Aborigines – zu wandern. Wir waren von den Aborigines eingeladen worden, ihnen auf ihren magischen Wegen zu folgen. Das war eine unbeschreibliche Zeit, die ich bis heute kaum in Worte fassen kann, die mich jedoch seitdem prägen.
Nach diesen Tagen bin ich noch einige Wochen quer über die Insel gereist. War in Cairns am Great Barrier Reef, auf einer Heilkreiszeremonie in Brisbane, weiter nach Adelaide zu den Kangaroo Island, bin mit dem Hubschrauber über die 12 Apostel geflogen, habe noch ein paar Tage in Melbourne verbracht, bevor es mit dem Bus zurück über die blauen Berge nach Sydney ging. Dort wartete dann die größte Herausforderung auf mich: die Besteigung der Harbour Bridge mit der Überwindung meiner Höhenangst.

Ein heiler Ort
Einer meiner Sehnsuchtsorte hat nichts mit Wasser zu tun. Es ist der Ort, an dem ich gemeinsam mit Gleichgesinnten lebe. Mit viel Natur drumherum, doch nicht unbedingt an der See. Mit mehreren Generationen, viel kreativen Aktivitäten, Freiraum zum Sein und zum den anderen auch so sein lassen können, wie er ist.
Ein Ort, wo mit einem freien Geist im Umgang miteinander gewaltfrei kommuniziert wird.
Ein Ort, wo Wachstum, Selbstreflexion und Co-Empowerment im Vordergrund stehen und alle in Einklang mit der Natur leben.
Ein Ort, an dem für alle von allem genug da ist, ohne Neid und Vergleich.
Ein Ort, wo jeder seine Fähigkeiten und Talente einbringen kann.
Ein Ort, wo Wertschätzung der Dreh- und Angelpunkt des gelebten Miteinanders ist.
Ein Ort der Freude.
Ein Ort, wo jede Generation friedvoll seinen Platz findet und die nächste Generation gerne aufwachsen will.
Das ist der heilige Ort meiner Sehnsucht.

Orte, von denen ich noch träume …
die ich jedoch angesichts der Klimalage nicht mehr auf Biegen und Brechen erreichen muss. An erster Stelle stehen hier
- Bhutan, das Land mit dem höchsten Bruttonationalglück oder Tibet.
- Danach folgen noch einige Inseln: Hawaii, Schottland, Island …
Doch halte ich es mittlerweile sehr gut mit dem kleinen Glück der See aus und muss nicht mehr unbedingt in die Ferne reisen, um glücklich zu sein.

Ich danke nochmals Susanne Heinen für die wundervolle Gelegenheit, hier über meine Sehnsuchtsorte zu schreiben.
Ich freue mich sehr, wenn du mir bei diesem Blogartikel einen Kommentar hinterlässt.
Das hilft mir sehr. So finden mehr Menschen den Blog und können von den Themen profitieren.
(Hab keine Scheu zu kommentieren. Denn nur dann nimmt Google und Co diesen Artikel in seinen Algorithmus auf und bietet ihn auch anderen an.)
Wie immer freue ich mich über deine Rückmeldung. Ich wünsche ich dir eine wundervolle Zeit.
Das 14. Türchen im Blog-Adventskalender
In zehn Tagen ist schon Heiligabend. In diesem Jahr rast die Zeit so schnell und hopp hopp, schon steht der Weihnachtsmann bei manchem vor der Tür und lässt die Kinderaugen leuchten.
Hast du schon alle Geschenke zusammen, schon die Weihnachtspost auf den Weg gebracht? Irgendwie ist es jedes Jahr das Gleiche. Erst denkt man, es ist ja noch lang hin bis zum Weihnachtsfest und dann will alles noch ganz schnell vollendet, gebacken, sortiert, abgeschickt, verpackt oder gekauft werden.
Heute möchte ich dich einladen, zwischendrin innezuhalten, dich entspannt bei einem Tee oder Kaffee, mit oder ohne Plätzchen, zurückzulehnen und dich auf meine kleine 4-Wort-Story einzulassen. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.

Vor ungefähr zehn Jahren schickte mir eine Freundin jeden Morgen vier Worte zu und bat mich, ihr mit diesen Worten eine kurze Geschichte zu schreiben. Das war für mich eine große Herausforderung, denn ich war damals fest davon überzeugt, dass ich gar nicht schreiben könne. Jeden Abend schickte ich sie ihr als kleine Bettgeschichte. Es wurde unser kleines Ritual zum Innehalten. Heute kann ich mir ein Leben ohne Schreiben gar nicht mehr vorstellen. Vielleicht macht dir diese kleine Geschichte Mut, es einfach auch einmal auszuprobieren. Lass dich gerne davon inspirieren.

Eine 4-Wort-Story

Immer wenn ich in meiner Erinnerung in meine Kindheit zurückkehre, sehe ich sie vor mir: Königin Beatrice, wie sie sich mit ihren langen dünnen Fingern durchs Haar streicht, welches in leichten Wellen goldbraun bis auf ihre Hüften fällt.
Sie war die Lieblingstante meiner Freundin Annabel, die mit mir in die gleiche Klasse ging. Annabel hatte mir schon viel aus dem fernen Land erzählt, aus dem sie und ihre Mutter geflohen waren, doch nie warum.
Dort gab es wildwachsende übergroße Bäume bis in den Himmel und deren Äste waren alle miteinander verbunden. Es gab nur ganz wenige Stellen, wo man direkt von der Erde aus ein Stückchen Himmelsblau sehen konnte. Doch Annabel hatte schon früh gelernt, auf ihre ganz eigene Art in die höchsten Spitzen der Bäume zu klettern, somit hatte sie immer den schönsten Ausblick in den Himmel und über das ganze Land. Die Landschaft war berauschend. Von dort sah sie den schönen Palast, den ihr Großvater aus Liebe zu seiner Frau erbauen ließ. Der Palast hatte 8 Türme und jeder hatte eine eigene Farbe und Form. Sie waren in alle 8 Himmelsrichtungen ausgerichtet und durch eine Lichtmauer mit den Hüter der Kräfte der Richtungen verbunden.
Der alte König hatte schon vor vielen Jahren seine Macht an seine älteste Tochter Beatrice übergeben, da er sich ausschließlich um seine Frau kümmern und sie verwöhnen wollte. Seitdem hatte sich vieles im Land der Berge voller Bäume gewandelt. So wohlwollend und mitfühlend der König sein Land regiert hatte, waren nun noch die musischen Kräfte von Königin Beatrice dazugekommen. Immer wenn sie anfing, Lieder zu singen, fingen die Pflanzen überall an zu tanzen und zu wachsen. Es entstanden immer mehr neue Sorten und das ganze Land war herzensüberfüllend am Blühen und Strahlen.

Cecile, die Mutter von Annabel und kleinere Schwester von Beatrice hatte das Gefühl, dass sie gar nichts zu dieser Schönheit beizutragen hätte, denn sie war ja immer nur kletternd in den Bäumen unterwegs. Doch dann begegnete sie Gabriel. Beatrice hatte ihn aus Europa ins Land der Berge voller Bäume geholt. Er war der jüngste Biologieprofessor an der Universität in Rom und sollte Beatrice dabei helfen, all die Pflanzen in ihren Wäldern zu bestimmen.
Jeden Morgen ging er mit seiner Kamera und seinen Büchern los in die Wälder und war überwältig von all der Schönheit und Pracht, die er sah. Cecile war wie so oft alleine in den Astkronen der Bäume unterwegs und als er an diesem golden schimmernden Sommertag gerade versuchte, einen Blick in den Himmel zu werden, trafen sich ihre Augen.
Er sah das schönste funkelnste Grünblau, was er je gesehen hatte und der Augenblick blieb stehen. Er war so verzaubert, dass er nicht darauf achtete, wo er hintrat und so stolperte er über eine Luftwurzel und fiel hin. Cecile, die das sah, ließ sich an einer langen Liane vom Baum herab und eilte ihm zu Hilfe. Um sie herum strahlte das goldene Licht und der gesamte Boden war so übervoll mit wundervollen und heilenden Pflanzen – Minze, Myrrhe, Salbei, Lavendel, Vergissmeinicht – es duftet so betörend.
So saßen sie in diesem Reigen von schöner Natur, verbunden miteinander und ahnten nicht, dass dieser Moment ihr Schicksal werden würde. Denn Gabriel erinnerte sich auf einmal, was er sich in frühen Jahren vor seinem Beginn des Studiums in Rom einst geschworen hatte. Er wollte gutes für die Welt tun, doch er hatte damals noch keine Idee was es sein könnte.

Nun in diesem Schauspiel von Blühen und Wachsen wusste er, was er entwickelt wollte: ein Zaubergemisch in dem all diese Gerüche und Heilkräuter für jeden Menschen zugänglich wären. Er begann von jeder Sorte jeder Pflanze ein Teil mit sich zu nehmen und begann in seinem Labor, diese auserlesende Sammlung zu mischen.
Er nannte dieses Zaubergemisch Cecila, nach der Frau, die ihn so verwunschen hat, dass er sich in ihrer Gegenwart immer in Zeit und Raum verlor. Er überlegt, wie er dieses Zaubergemisch mit all seinen heilsamen Gaben allen Menschen zugänglich machen könnte. In seinem Studium hatte er gelernt, dass die Aufnahme über die Mundhöhle eine der effektivsten Möglichkeiten war, Dinge dem Körper zuzuführen. Mit einem kleinen Tiegel, der das Zaubergemisch enthielt, ging er zu Cecile, um sich mit ihr zu beraten.
Nachdem er ihr ausführlich alle seine Visionen erzählt hatte und sie die Creme probiert hatte, war Cecile außer sich vor Begeisterung und Freude darüber, was sie gehört hatte. Sofort wollte sie mit Gabriel zu ihrer Schwester eilen, um ihr diese neue Idee zu verkünden.
Doch Beatrice war gar nicht erfreut zu hören, dass Teile und Pflanzen ihres Landes abgeschritten werden sollten. Sie wollte alles so ursprünglich erhalten wie es war. Sie war schon alleine nur über die Idee so erboßt, dass sie Cecile mit ihrer neuen Liebe Gabriel des Landes verwies. So kamen sie nach Europa.

Gabriel nutzte all sein neues Wissen und entwickelte für seinen Arbeitgeber eine neue Zahnpasta. Sein Traum von einem Zaubergemisch ging zwar damit nicht in Erfüllung, doch besser mit einer Kräuterzahnpasta für die Heilung von Menschen sorgen, als gar nichts…
Mit Cecilia war auch ihre kleine Tochter Annabel mit nach Deutschland gekommen. Annabel war das Kind einer unüberlegten Nacht und bis auf Beatrice und dem alten König wusste niemand, dass es sie überhaupt gab.
Als sie geboren wurde, durfte sie sich im Königreich nur in den Türmen aufhalten und niemals in die Berge voller Bäume gehen. Niemand sollte von diesem Geheimnis hinter den Königsmauern erfahren.
Für Annabel war die Flucht nach Deutschland eine Befreiung. Hier durfte sie alles. Sie war frei und es gab so vieles für sie zu entdecken. Das einzige was sie vermisste, war die Liebe ihrer Großeltern und ihre Lieblingstante Beatice mit ihren schönen Gesängen.

Cecile konnte es kaum mit ansehen, wie Annabel abends heimlich in ihre Kissen weinte, aus Heimweh zu ihrer Familie. Irgendwann nahm sie all ihren Mut zusammen und schrieb einen Brief an ihre Schwester Beatrice, indem sie ihr den Zustand von Annabel beschrieb und sie bat, nach einer Lösung für alle zu suchen.
Einige Monate später war es ein großer Moment als Post aus dem Land der Berge voller Bäume kam. Beatrice hatte beschlossen, dass sie sich dieses ferne Europa mit eigenen Augen anschauen will und im Sommer nach Deutschland käme.
So kam es, dass ich damals die Bekanntschaft mit Königin Beatrice, der Lieblingstante meiner Freundin Annabel machte. Nie habe ich eine schönere bezaubernde Frau gesehen und jedes Wort, welches sie sprach, war wie ein Lied, die wie eine Melodie durch die Straßen zog. Die Menschen öffneten ihre Herzen, fielen sich in die Arme und auch die Pflanzen fingen an zu tanzen.
Am letzten Abend ihres Besuches gab Cecile zu Ehren ihrer Schwester einen öffentlichen Empfang. Es kamen so viele Menschen in ihren Garten und das erste Mal war auch Gabriel mit dabei. Beatrice nahm ihn zur Seite und sagte zu ihm: „jetzt verstehe ich deine Vision“ und gab ihm die Erlaubnis, sich aus dem Land der Berge voller Bäume jene Pflanzen zu nehmen, die er für seine Zahnpasta bräuchte, denn damit würde sich die Verbindung beider Völker stärken und die Trennung heilen.
Gabriel sah sie überrascht an: „Das würdest du tun?“ und Beatrice antwortet: „Für meine liebste Annabel, doch vor allem auch für das liebevolle Miteiander aller Menschen würde ich alles tun“.
Mittlerweile lebt Annabel wieder im Land der Berge voller Bäume. Doch jedes Mal wenn ich mir die Zähne putze muss ich an sie und ihre Großmutter, Königin Beatrice, denken.


Wenn du Lust auf noch mehr 4-Wort-Story hast, findest du weitere Storys hier in meinem Blog oder in meinem Buch.

Türchen 14 – eine Haiku-Trilogie
Zum Schluss habe ich noch ein kleine Haiku-Trilogie aus der Schreib-Kreativ-Challange von Susanne Heinen für dich – einfach weil alle drei Bilder so wundervoll sind und ich mich nicht für eins von ihnen entscheiden konnte 🙂



Ich wünsche dir eine lichtvolle Zeit.
Dies ist ein Blogbeitrag im Rahmen des Blog-Adventskalenders 2023. initiiert von der wunderbaren Susanne Heinen. 24 magische Tage voller inspirierender Geschichten, kreativer Ideen und festlicher Stimmung.

Diesen Blogbeitrag widme ich meinem Papa, der heute 85 Jahre alt wird. Lieber Papa, von Herzen alles Liebe dir.

Von der Freundschaft
Zur Freude gehört auch immer die Freundschaft. Sie sind wie Geschwister, die das Leben bereichern, tragen, halten. Doch was, wenn Freunde wegziehen oder gar ganz aus dem Leben verschwinden? Das reißt oft ein Loch, schmerzt, es bleiben nur die schönen Erinnerungen zurück. In den letzten Jahren mit all den erlebten Lockdown-Herausforderungen haben sich viele Freundschaften verändert.
Für mich war es eine Zeit, mir selbst die beste Freundin zu werden. Damit stand ich nicht allein und es bildeten sich nach und nach neue Freundschaften.
Die winterliche Adventszeit ist ein wunderbarer Zeitpunkt: Zum Innehalten, zum Hinschauen, zum Geschenke an liebe Freunde basteln oder vorbereiten, zum sich bei Freunden zu bedanken, sich mit ihnen zu verbinden, auszutauschen, im Kreise von Gleichgesinnten sich Zeit zu schenken. Doch kann es auch die Zeit sein, um zu überprüfen, wo gibt es Einbahnstraßen-Beziehungen, die du vielleicht nur aus lauter Gewohnheit hältst oder die dein Bild oder deine Wünsche an eine Freundschaft nicht mehr erfüllen.
Das ist das Türchen 3 des Blog-Adventskalender 2023. In diesem Beitrag geht es um die Freundschaft, um deine Verbindung zu dir selbst und deine Verbindungen nach außen.
Wie kannst du dir die beste Freundin oder der beste Freund werden? Was sind deine Prioritäten, deine Werte? Was macht für dich eine gute Freundschaft aus?
Hier findest du drei Gedanken zur Freundschaft als Anregung.

Gedanke I – Freundschaft
» Nicht der tägliche Kontakt macht eine Freundschaft aus, sondern die Gewissheit, dass man sich aufeinander verlassen kann. «
Es gibt einige wenige Menschen, bei denen es egal ist, wie viel Zeit zwischen dem letzten Kontakt lag, ob am Telefon oder Vis-à-vis, sofort ist ein warmes wohliges Gefühl da und der Gesprächsfaden spinnt sich wie von selbst weiter. Da gibt es kein Fremdeln, keine Erklärungen, warum, weshalb, wieso man nicht … die Freude schwingt sofort in der Stimme, so als ob das letzte Mal erst gestern gewesen wäre. Das sind für mich die stillen Freunde, die für mich oft nicht jederzeit erreichbar sind, die jedoch tief in meinem Herzen wohnen, weil ich weiß, dass ich ihnen wichtig bin und sie an mich denken.
» Jeder sollte jemanden haben, mit dem er nicht normal sein muss. «

Gedanke II – Grundlage einer Freundschaft
Genauso wie eine Beziehung fällt einem auch eine Freundschaft nicht einfach so in den Schoß. Es braucht Zeit, Aufmerksamkeit und gemeinsame Werte oder Ziele. Wie schön, wenn es gelingt, Freundschaften aus dem Kindesalter bis ins hohe Alter zu pflegen. Oft haben diese Freundschaften Höhen und Tiefen überlebt. Doch wenn nicht, was brauchst du für eine gute Freundschaft? Hast du dir darüber schon einmal Gedanken gemacht? Wenn nicht, nimm dir ein Blatt Papier und fang an. Schreib alles auf, was für dich für eine gute Freundschaft wichtig ist. Zur Inspiration findest du hier ein Beispiel:

» Immer die Wahrheit zu sagen, bringt einem wahrscheinlich nicht viele Freunde, dafür aber die Richtigen. « John Lennon

Gedanke III – Wortspielerei

» Nicht jeder, der freundlich tut, ist gleich dein Freund. «


Dieses Gedanken-Trio über die Freundschaft ist ein Auszug aus meinem neusten Buch:
Wenn es dich anspricht oder du mehr Texte von mir lesen möchtest, schau gerne auf meine Seite oder komm direkt im Umaniversum vorbei.
» Freunde sollte der Mensch schon haben, sonst wird es wirklich kalt in der Welt. « Elke Heidenreich

Türchen 3 – ein Haiku für dich
Zum Schluss habe ich noch ein kleines Haiku für dich.

Ich wünsche dir einen wundervollen 1. Advent und eine lichtvolle Zeit.
Dies ist ein Blogbeitrag im Rahmen des Blog-Adventskalenders 2023. initiiert von der wunderbaren Susanne Heinen. 24 magische Tage voller inspirierender Geschichten, kreativer Ideen und festlicher Stimmung.

Da saß sie wieder. Ihre Finger flogen über die Tastatur, nicht wissend, welche Buchstaben als Nächstes folgen würde. Ihr Kopf war leer. Sie hatte keine gedanklichen Vorstellungen, was als Nächstes kommen würde. Es war jedes Mal ein bisschen wie Hexerei. Vertrauend, sich dem Nichts hingebend, staunend darüber, was käme und auch meist, dass überhaupt etwas kommt. Der magische Moment der Schöpfung.
»Alles wird aus dem Nichts geboren, aus diesem unglaublichen Potenzial, dieser unüberschaubaren Fülle von Möglichkeiten« hört sie ihre Lehrerin sagen.
»Und dieses steht jedem zur Verfügung? Wow! Wenn das so ist, könnte ich mir ja alles kreieren.«
Wäre da nicht diese Stimme, die laut krakeelend einem weismachen will, dass dieses oder jenes nicht ginge, es doch viel zu groß für einen sei, oder vielleicht auch nur mal ein bisschen zu hell für den Moment. Sie ruft ihm laut »Halts Maul!« zu. »Dir kleinem Dämon gehe ich heute nicht auf den Leim.«
Die Bürotür öffnet sich und Paul steht neben ihr.
»Was ist denn mit dir los?«, fragt er überrascht. Sie schaut ihn an und spürt, wie ihr Blutdruck sofort auf 180 steigt. Hat er sie erwischt? Hat er ihren Entwurf auf dem Desktop entdeckt? Wenn es nach ihm ginge, dürfte ich keine eigenen Gedanken haben. Er wünscht sich, dass sie rund um die Uhr nur für ihn da ist. Immer parat, immer akkurat: »Seid bereit, immer bereit«.
Schnell steht sie auf, zieht ihren Rock nach unten und streicht die Falte in der Mitte glatt. Wenn er doch bloß nicht so launisch wäre, denkt sie. Nie weiß sie, wo er gerade ist und was er von ihr will. Seine Kommunikation ist aufs Engste begrenzt, er wirft ihr einen Halbsatz an den Kopf und sie soll sofort wissen, was er von ihr will. In Gedankenlesen übt sie sich zwar schon eine ganze Weile, doch bei ihm versagt sie oft kläglich.
Sie ist gespannt, wie lange das hier noch gut gehen wird zwischen ihnen beiden. Am liebsten würde sie ihm mal ganz offen und ehrlich ihre Meinung sagen. Doch solange sie von seinem Geld abhängig ist, muss sie sich zusammenreißen. Zu groß ist ihre Angst vor dem, was danach kommen würde. Also hält sie weiterhin die Beine still, setzt ihre Maske auf und versucht ihre Zeit dort im Büro so effektiv wie möglich zu verbringen.
In der Mittagspause will sie sich heute mit der Neuen aus der Personalabteilung treffen. Die macht einen ganz netten Eindruck und schon bei den ersten Gesprächen mit ihr hatte sie das Gefühl, dass sie auch neue Wege riskieren würde, vielleicht auch inhaltlich über den Tellerrand hinausdenkt. Vielleicht ergäbe sich ja durch diesen Kontakt eine neue Perspektive für sie.
Gedankenversunken schaut sie aus dem Fenster, die Ziegel des Daches von gegenüber leuchten dunkelrotglühend vor dem hellblauen Sommerhimmel. Sie denkt nochmals an die Macht der Schöpfung. In ihren Träumen sieht sie sich immer wieder in einem Atelier stehen.
Die Farben suchen sich ihren Weg auf der Leinwand und wenn alles trocken ist, beginnt sie mit ihrer Feinarbeit. Unzählige Punkte finden in Formen und Figuren ihren Platz und tanzen auf dem Untergrund. Es ist ihre Lieblingsmeditation. Dieses tiefe Versinken in ein Bild, sich dem voll hingeben, wo der Stift Punkt an Punkt platzieren will, sich leiten lassen von den Formen – das bringt sie in ihre Mitte. Dann sind Zeit und Raum vergessen. Das Bild spricht mit ihr und sie folgt ihm. Dann ist sie mit der Schöpfung verbunden. Dann ist Frieden in ihr. Dann sprudelt es in ihrem Inneren und sie spürt ihre Begeisterung. Dann sind all die vielen kleinen Dämonen still. Endlich.
Die Tür schlägt krachend ins Schloss. Sie hört Paul fluchend auf dem Flur. Was ist denn nun schon wieder. Ist dem Prinzen mal wieder ein Zacken aus der Krone gefallen? Dieses ganze Theaterspielen nervt. Sie muss dringend etwas verändern. Es muss doch für sie eine Möglichkeit geben, das zu tun, was sie gerne tut, um damit Geld zu verdienen.
Es klopft an die Tür. Maggi aus der Personalabteilung holt sie zum Essen ab. Zuversichtlich lacht sie sie an und sagt »Schön, dass du da bist, sie müsse dringend mit ihr reden.«
Hat dich diese kleine Kurzgeschichte berührt? Möchtest du weitere Lesen?
Dann empfehle ich dir meine Kurzgeschichtensammlung: » 4 Worte. 1 Story. «
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Es war morgens um 9. Die Sonne war über den Rand des Fichtenwaldes geklettert, die ersten Strahlen warfen schon ihr Licht auf die Häuser der gegenüberliegenden Straßenseite.
Auf der Dorfstraße war es still. Seit die neue Umgehungsstraße für den Autoverkehr freigegeben wurde, saß Liesel zwar wie eh und je jeden Tag ab 8 am Fenster ihrer Wohnung im Erdgeschoss und schaute auf die Straße, doch es war nichts mehr los. Es war stiller als still.
Als ihr Erwin noch lebte, hatte sie noch viel zu tun. Er hielt sie gerne auf Trab, saß in seinem Sessel und liebte es, wenn Liesel ihn von vorne bis hinten bediente. Und Liesel liebte es, ihn zu betüdeln und zu verwöhnen. Die beiden hatten sich nach Schule kennengelernt. Es war keine Frage, da hatten sich die zwei richtigen gesucht und gefunden. Liesel war sofort klar: Das ist der, dem sie sich ganz vertrauensselig hingeben wollte. Er wusste, was ihr gefiel und las ihr die Wünsche von den Augen ab.
Ihretwegen waren sie in diese Wohnung gezogen, denn er wusste, wie gerne sie aus dem Fenster schaute und aus dem Buchstaben der Autokennzeichnen lustige kleine Sätze bildete. Doch jetzt war es hier im Haus nur noch still. Totenstill. Ihr Erwin war eines Nachmittags einfach nicht mehr von seinem Nickerchen aufgewacht.
Es war ein heißer Sommertag. Er hatte es sich bequem gemacht und saß nur in Schlüpfer und T-Shirt im Sessel. Liesel hatte zwar immer wieder zu ihm gesagt: Was sollen denn die Leute sagen, wenn du so dasitzt, wenn sie uns besuchen kommen, doch Erwin brummte nur: ist mir doch egal. Wer mich besuchen kommt, muss mich so nehmen, wie ich bin. Außerdem würde er sich ja noch eine Hose überziehen, wenn wirklich mal jemand überraschend käme. Doch das kam schon lange nicht mehr vor.
Als er dann so dalag, war es Liesel überaus peinlich, als sie den Arzt anrief und die Fahrer vom Bestattungswagen ihren Erwin nur so in Schlüpfer auf die Trage legen mussten. Doch ihr Erwin bekam von alledem nichts mehr mit. Er war sowieso einer, der immer hoffnungsstur ins Leben schaute, der mit einem unversiegbaren Optimismus gesegnet war, der auch dem schlimmsten Umstand noch einen Funken Licht abringen konnte.
Dafür hatte sie ihn einerseits geliebt. Doch manchmal trieb seine positive Haltung auch ungeheuerlich Blüten. Zum Beispiel nach der Wende, als er dachte, jetzt wird alles gut, er wird allen die besten Versicherungen verkaufen und jeder wird bei ihm eine Police unterschreiben, es sind doch alles seine Freunde. Nichts war es, seine Freunde haben ihn nur ausgelacht.
Doch er ließ sich nicht beirren und sagte zu seiner Liesel: Wir brauchen nichts Neues. Das, was wir brauchen, haben wir, das reicht uns, denn wenn unsere Zeit hier vorbei ist, können wir sowieso nix mitnehmen. Da war ihr Erwin ein ganz pragmatischer.
Der ihr so peinliche Schlüpfertag ist nun schon fast ein Jahr her. Seitdem saß sie in ihrer stillen Wohnung am Fenster. Und inzwischen fuhren auch die Autos nicht mehr an ihrem Haus vorbei. Ab und zu brummte der alte Lada von Gärtner Krause noch vorbei oder die verrückte Familie mit den vielen Kindern hupte, wenn sie mit ihrem Wohnmobil an ihrem Fenster vorbeifuhren, die Kinder winkten ihr dann meist wild zu. Doch ansonsten kam hier kein fremdes Auto mehr die Straße entlang.
Liesel langweilte sich bei so viel Stille um sie herum. Bei all dem vor sich hin dösen, kamen ihr die verrücktesten Träume in den Sinn. Was wäre, wenn sie ihre paar Habseligkeiten einpacken würde und noch einmal ganz neu anfangen würde? Doch wie sollte das gehen? Sie war noch nie allein ohne ihren Erwin unterwegs gewesen. Doch hier versauern wollte sie auch nicht. Sie fühlte sich noch zu jung zum Sterben. Doch war sie schon zu alt für einen Neubeginn?
Sie schloss das Fenster und ging in die Küche. Auf dem Tisch lag die Zeitung vom Wochenende. Sie blätterte die Seiten, bis sie zum Teil mit den Anzeigen kam. Sie überflog die Inserate. Suche … Biete … Sie goss sich wie gewohnt einen Kaffee auf und las genauer. Suche Mitbewohnerin in großer Wohnung … wie in Trance wählte sie die Nummer.
Die Stimme am anderen Ende klang sympathisch. Sie hörte sich geduldig alle Lobpreisungen für die Ausstattung der Wohnung an und fragte: Was ist der Nachteil dieser Wohnung? Am anderen Ende der Leitung wurde es leise: na ja, es ist so, die Wohnung liegt im Erdgeschoss an einer großen Kreuzung. In Liesel begann es zu kribbeln, ihr Augen leuchteten. Sie sagte nur noch: wann kann ich vorbeikommen, um sie kennenzulernen und mir die Wohnung anzugucken?
Ein herzliches Danke an Renate Fiebiger für die Zusendung ihrer 4 Wörter für diese Kurzgeschichte.
Diese kleine Kurzgeschichte hat dich inspiriert oder berührt?
Manchmal klingen sie auch noch in dir nach oder regen dich selbst zum kreativen Schreiben oder Gestalten an?
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Wie schon in meinem Artikel Jin Shin Jyutsu – Strömen im Alltag beschrieben, gibt es mehrere Varianten, Jin Shin Jyutsu – auch japanisches Heilströmen genannt – in seinen Alltag zu integriere.
Eine der leichtesten Übungen ist dabei das Strömen der Finger.
Im Folgenden erkläre ich dir kurz, wie diese Übung geht.
Einleitung zum Strömen der Finger
In meinem Artikel Was ist Jin Shin Jyutsu? habe ich dir schon die über unseren Körper verlaufenden Energieleitbahnen vorgestellt. Auf diesen Leitbahnen liegen die 26 Sicherheitsenergieschlösser.

Diese 26 Sicherheitsenergieschlösser (SES) liegen jedoch nicht nur überall auf dem Körper verteilt, sondern sie haben auch einen festen Bezugspunkt in den Fingern unserer Hände.

Alle im Jin Shin Jyutsu den Fingern zugeordnete Sicherheitsenergieschlösser
Somit können wir entweder das Sicherheitsenergieschloss direkt an unserem Körper berühren oder wir halten ganz einfach, je nachdem in welchem Bereich wir Hilfe brauchen oder ein Projekt bzw. Problem haben, den Finger, der diesem Sicherheitsenergieschloss zugeordnete ist. Das geht überall und ganz leicht.
Ein weiterer Vorteil besteht auch darin, dass den Fingern nicht nur die Organe, sondern jedem Finger auch die häufigsten Emotionen zugeordnet sind. So können wir mit dem Halten der Finger auch hier mehr Balance in unseren Gefühlsbereich bringen.

Alle im Jin Shin Jyutsu den jeweiligen Fingern zugeordneten Emotionen und Organe
Anleitung zum Strömen der Finger
Diese Übung kannst du jederzeit und an jedem Ort durchführen.
- Halte jeden Finger ca. 1-2 Minuten mit den Fingern der andern Hand umschlossen.
- Beginne am besten mit dem Daumen der einen Hand.
- Gehe weiter zum Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinder, kleinen Finger.
- Danach wechselst du die Handseite und beginnst wieder mit dem Daumen.
- Gehe weiter zum Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleinen Finger.
- Zum Schluss legst du beide Handinnenflächen zueinander gewandt flach wie ein Teller vor den Bauch – die eine Handaußenfläche schaut nach unten, die andere nach oben – während die Mittelfinger jeweils die Mitte der anderen Handinnenfläche berührt. Diese Handhaltung fühlt sich zu Beginn vielleicht ein bisschen ungewohnt an, doch mit jedem Mal wird sie dir vertrauter und du wirst die harmonisierende Wirkung mehr und mehr spüren.
Je nachdem, ob du beide Hände oder nur eine Hand strömst, benötigst du für diese Übung ungefähr 15-30 min. Doch auch wenn du vielleicht nicht immer so viel Zeit zur Verfügung hast, ströme einfach so viele oder die Finger, die dir gerade wichtig sind und mehr Entspannung in dein Leben bringen.
Eine weit verbreitete und in vielen anderen Kulturen vorkommende Geste ist die Handhaltung des Gebetes oder Grußes, bei dem die Handflächen vor der Brust zusammen genommen werden. Auch hier werden alle Punkte des Jin Shin Jyutsus miteinander verbunden.

Zum Abschluss für heute noch ein kleines Beispiel:
Stell dir einmal vor: Wie wäre es, wenn du wütend bist und du einfach nur für ein paar Minuten deinen Mittelfinger halten müsstest, um deine Wut in dir wieder zu bändigen? Wäre das nicht ein kleines Wunder? Vielleicht ist sie dann nicht gleich 100%-ig weg, doch dir steht nach dem Halten vielleicht eine andere Reaktionsmöglichkeit zur Verfügung, als zuvor. Wäre das nicht wunderbar?
In den nächsten 10 Tagen werde ich dir jeden Finger einzeln ausführlich vorstellen, denn im Rahmen der BlogDekaden-Challenge von The Content Society gibt es an jedem Tag einen Heilström-Tipp für dich.
Ich hoffe, du bist mit dabei …
Ich freue mich auf deinen Kommentar … oder auf deine Buchung einer Heilström-Sitzung bei mir.
Wie schon in meinem Artikel Was ist Jin Shin Jyutsu? beschrieben, haben die meisten Menschen diese Methode bestimmt schon einmal angewandt, wenn auch unbewusst. Da Heilströmen vorwiegend mit den Händen praktiziert wird, werden auch deine Finger irgendwann einmal einen der Strömpunkte an deinem Körper berührt und gehalten haben. Ein Vorteil vom Strömen ist nämlich, dass du es ganz leicht in deinen Alltag integrieren kannst.
Jin Shin Jyutsu wird auch die Kunst: MICH SELBST KENNEN (mir helfen) LERNEN genannt. Sie hat nicht zum Ziel, regelmäßige Behandlungen der Schulmedizin zu ersetzen. Ihr Ziel ist, die eigene Heilkraft in sich zu erkennen und für sein Wohlbefinden im Leben zu nutzen. So wird im besten Fall aus der (regelmäßigen) Anwendung dieser Methode eine lebenslange Lebenskunst für Einklang, Glück und Gesundheit.
Wofür ist Jin Shin Jyutsu – das Strömen – gut ?
Jiro Murai nannte Jin Shin Jyutsu eine Lebenskunst, durch die sich jeder Mensch selber kennenlernen kann. Durch das sich selbst bewusst zuwenden, öffnet sich die Wahrnehmung und so wird jeder Mensch zum Schöpfer seiner eigenen Lebensfreude. Das Strömen hilft dem Menschen dabei auf allen 3 Ebenen:
- Das Strömen fördert die körperliche Gesundheit.
Durch die Aktivierung bestimmter Punkte im Körper kann die Energie wieder ungehindert durch den Körper, zu Organen oder durch den Kreislauf fließen. Er wird dadurch entgiftet, der Stoffwechsel wird angeregt, das Immunsystem wird gestärkt und es stellt sich in den Organen wieder eine natürliche Balance her.
- Das Strömen fördert die seelische Gesundheit
Durch das Strömen kann sich auch die Stimmung aufhellen, die Zuversicht und das Selbstvertrauen wachsen. Alte Verhaltensmuster lösen sich auf und werden in neue Gewohnheiten verändert. Emotionen, wie Sorgen, Angst, Wut, Trauer oder ständiges sich bemühen müssen, können angesehen und besser ausbalanciert werden. Die Ausstrahlung verbessert sich.
- Das Strömen fördert die geistige Flexibilität und die spirituelle Ausrichtung
Durch das Strömen können neue Gedankenmuster entstehen, spirituelle Aha-Erlebnisse sind keine Seltenheit. Oftmals klären sich die Gedanken und es fällt leichter, sich auf neues einzulassen.
Wie funktioniert Jin Shin Jyutsu – das Strömen?
Strömen kann jeder in fast allen Situationen für sich selbst. Das einzige, was du dazu brauchst, sind deine Hände. Durch sie fließt permanent Energie, die du dir mit der bewussten Ausrichtung auf einen oder mehrere Strömpunkte zunutze machen kannst. Die meisten Grundübungen kannst du im Sitzen, Liegen oder auch im Gehen anwenden.
Die einfachste Grundübung im Jin Shin Jyutsu ist das Strömen der Finger. Bei den Ström-Tipps – im Rahmen der Blog-Dekade in der The Content Society – erkläre ich dir in den folgenden Tagen jeden Finger ausführlich.
Diese Übung ist so einfach, dass sie jeder für sich selbst erlernen und anwenden kann – denn Jiro Murai sagte schon: Jin Shin Jyutsu ist eine Kunst der Selbsthilfe. Diese Erfahrung der selbstwirksamen Heilung hatte er am eigenen Leibe machen dürfen, nachdem er im Alter von 26 Jahren von den Ärzten für unheilbar krank erklärt wurde. Nach seiner kompletten Heilung, nur durch die Anwendung von Jin Shin Jyutsu, hat er sein Leben der Erforschung und Weiterverbreitung dieser heilsamen Lebenskunst gewidmet.
Das Besondere am Strömen ist vor allem, dass du bei der Anwendung des Strömens nichts falsch machen. Gerade in unserem Kulturkreis, wo wir kollektiv darauf geschult sind, nichts falsch machen zu wollen, ist das sehr entlastend.
Um komplexere Projekte bzw. Problemzonen zu bearbeiten, lohnt es sich sehr, sich in die Hände eines erfahrenen Jin Shin Jyutsu-Praktikers zu begeben.
Ein großer Vorteil liegt dabei vor allem in der tieferen Entspannung, die während so einer Heil-Sitzung stattfindet. Dein Körpersystem lässt schneller los und der dich Behandelnde kann komplexere Heil-Ströme anwenden oder Strömpunkte halten, an die du nicht ohne weiteres herankommst, da sie auf der Rückseite deines Körpers liegen.
Eine Heilström-Behandlung findet meistens im Liegen statt. Du liegst auf einer Liege, möglichst warm und in einer angenehmen ruhigen Atmosphäre. Wenn dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, kann sie auch im Sitzen stattfinden.
Der Unterschied zu anderen Methoden besteht beim Jin Shin Jyutsu vor allem darin, dass die Finger nur ganz leicht den Punkt am Körper berühren – ohne Druck, wie zum Beispiel bei der Akupressur oder dem die Hände über eine bestimmte Stelle halten beim Reiki.
Bei einer Behandlung durch dich selbst oder durch einen Jin Shin Jyutsu-Praktiker kann mit
- der Vorder- oder Rückseite eines oder mehrerer Finger
- der Spitze eines oder mehrerer Finger
- mit der Handfläche oder
- mit dem Handrücken
der jeweilige Punkt berührt werden. Entscheidend ist dabei immer die Position des Fingers, die zum jeweiligen Zeitpunkt am angemessensten, praktischsten und vor allem angenehmsten erscheint.
Es gibt eine bestimmte Abfolge von Ström-Punkten, die förderlich sind, um den Energiefluss im Körper entweder zu beleben oder die Energie reduzierend und somit den Körper in Balance zu bringen.
Dabei verweilt derjenige an jedem Ström-Punkt für eine längere Zeit, bis er oder sie mit seinen Händen an einen neuen Punkt wandert. So wird ein Ström-Punkt nach dem anderen aktiviert und die Energie kommt immer mehr in einen rhythmischen Einklang.
Je nachdem, welches Projekt bearbeitet wird, kann eine Ström-Sitzung zwischen 20-50 min dauern. Bei intensiven Projekten kann auch zweimal am Tag geströmt werden, jedoch sollten dabei immer 8 Stunden zwischen der 1. und 2. Ström-Sitzung liegen. Die Sitzungen finden immer bei voller Bekleidung statt.
Wie oft eine Heil-Ström-Sitzung notwendig ist, hängt ganz individuell vom Menschen und seinem Projekt ab. Manche Projekte bzw. Probleme verschwinden schon nach einer Heil-Ström-Sitzung. Bei manchen Projekten dauert es ein paar Sitzungen länger.
In der traditionellen chinesischen Medizin wird oft gesagt: Geh zum Arzt, solange du gesund bist. Da Jin Shin Jyutsu dieser Tradition sehr nahe steht, verwundert es wohl kaum, dass sich eine Heil-Ström-Sitzung auch ganz wunderbar zur Selbstfürsorge oder präventiv als Gesundheitsvorsorge eignet.
In den nächsten 10 Tagen werde ich dir jeden Finger einzeln ausführlich vorstellen, denn im Rahmen der BlogDekaden-Challenge von The Content Society gibt es an jedem Tag einen Heilström-Tipp für dich.
Ich hoffe, du bist mit dabei …
Ich freue mich auf deinen Kommentar … oder auf deine Buchung einer Heilström-Sitzung bei mir.
Der Applaus lässt langsam nach, die ersten in den Reihen stehen auf und verlassen über die Treppe bereits das Auditorium. Lilli klappt sanft ihren Laptop zu, die Leinwand hinter ihr wird schwarz, der Beamer rauscht noch an der Decke, doch auch er wird immer leiser. Als alle Teilnehmer den Raum verlassen haben, setzt sich Lilli in die erste Reihe.
Bert kommt in den Saal. Er hatte ihr vor dem Termin geholfen, die Technik einzustellen, denn ihre größte Angst war gewesen, dass der Pointer oder die Präsentation nicht reibungsfrei liefen. Sie kannten sich von der Uni. Es war einer dieser typischen Zufälle gewesen, die keine Zufälle sind, als sie ihn vor 3 Tagen bei der Vorbesichtigung des Raumes hier im Institut für Meereskunde wiedertraf. Sie wusste, er mochte sie schon damals. Auch jetzt blitzten wieder seine Augen, wenn er sie ansah. Machte er sich denn immer noch Hoffnungen? Damals hatten sie bei einer langen Rotweinnacht beschlossen, dass sie es bei einer Freundschaft belassen würden.
Bert war einfach nicht Lillis Typ. Netter Kerl, hilfsbereit ohne Frage, doch sein Gesicht erinnerte sie immer wieder an einen Koala, kleine Knopfaugen, große Nase, wallende braungraue Haarlocken, in denen sich seine großen Ohren versteckten. Bei ihr regte sich so gar nichts bei der Vorstellung ihn küssen zu wollen.
„Wie ist es gelaufen? Bist du mit dir und dem Ablauf zufrieden? Hat mit der Technik alles funktioniert?“
Lilli schaute zu ihm hoch und nickt. „Ja, alles super. Erst war ich noch aufgeregt, doch dann lief alles wie am Schnürchen. Ich glaube, den Leuten hat es gefallen.“
„Soll ich gleich mit dem Abbau beginnen? Wollen wir danach noch etwas zusammen essen gehen?“
„Am liebsten wäre ich jetzt zu Hause am Wattenmeer. Da könnte ich jetzt kilometerlang laufen und wieder meinen Kopf freikriegen.“
„Mensch Lilli, träumst du immer noch von deinem Wattenmeer? Hier haben wir nur die Donau. Wollen wir dort später eine Runde drehen? Wie lange wohnst du jetzt schon hier? Deine Sehnsucht nach deiner Heimat hat sich wohl immer noch nicht gelegt.
Bert läuft zum Stehpult und löst die Kabel an der Anlage. Lilli bleibt sitzen. Sie fühlt sich erschöpft. Der sie durchflutende Adrenalinschub am Morgen hatte jetzt Ebbe. Sie hatte Wochen auf diesen Termin hingearbeitet. Viel Material und tausende von Bildern gesichtet, ihren Text x-mal umgeschrieben. Sie war die Expertin für die Tafel-Eisberge im Polarmeer. Die Einladung für diesen Vortrag vom Institut war für sie eine Ehre gewesen. Sie wollte es perfekt. Das waren die anderen von ihren Auftritten gewohnt. Sie wollte niemanden enttäuschen. Vor allem nicht sich selbst.
Mit einem energischen So-jetzt-aber! klatscht sie in die Hände und steht auf. Bert schaut zu ihr und denkt: so ist sie, nur kurz Schwäche zeigen und dann gleich wieder voll Power weiter.
Lilli packt ihre Sachen zusammen und legt alles neben die Technik auf den Rollwagen. „Können wir den hier stehen lassen, bis wir von unserer Runde an der Donau zurück sind?“ Ich glaub schon. Die Putzkräfte kommen erst heute Abend und ich habe einen Schlüssel.“
„Hast du Lust auf ein Eis? Bei Birner’s gibt es dein Lieblingseis.“ Bert macht einen Schritt auf sie zu.
„Wirklich? Die haben Kokosnuss?
„Ja, jedenfalls hatten sie es, als ich das letzte Mal dort war.“
„Du erstaunst mich wirklich immer wieder aufs Neue. Das du dich daran noch erinnern kannst.“ Das Blitzen in seinen Augen wird in diesem Moment noch heller. Lilli tritt einen Schritt zur Seite, sucht nach Abstand: Oh Mann, ich hoffe, ich wecke hier gerade keine unerfüllbaren Wünsche.
Ein herzliches Danke an Lorena Hoormann für die Zusendung ihre 4 Wörter für diese Kurzgeschichte.
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»76«, antwortete sie.
»Was? … Jahre? Kilo? Euro? Deine Zimmernummer?«. Die Stimme der Frau auf der anderen Seite des Tisches kreischte in ihrem Ohr. Gundula dreht sich um, schaut zu den anderen im Raum. Warum war sie heute nur hier an diesem Tisch gelandet? Was wollte diese Frau von ihr? Sie wollte einfach nur ihre Ruhe. Ihr Trainingsplan war voll: Vorträge, Gespräche, Laufen zum Konditionsaufbau und leichtes Krafttraining. Sie stellte schnell fest: Die Bandbreite der Patienten war hier riesig. Doch sie war einiges aus ihrem Leben gewohnt. So schnell schockte sie nichts. Sie wusste, dass sie in den nächsten Wochen hierbleiben musste, um wieder auf die Beine zu kommen.
»Pulsschläge«, murmelte sie über den Tisch, doch die Frau ihr gegenüber hatte ihr wildes Fragespiel schon an den nächsten Tisch verlagert. Sollte sie aufstehen und sich umsetzen? Doch wohin? Seit ihrer OP ging nichts mehr mal-so-schnell-eben. Sie kam sich wie ein Walross vor, obwohl sie mittlerweile so wenig wog, wie noch nie in ihrem Leben. Die Ernährungsdocs würden ihr für diesen BMI applaudieren. Als sie deren App vor Jahren noch abonniert hatte und fleißig nach Rezepten kochte, stand die BMI-Anzeige meist knapp bei Rot. Sie liebte einfach leckeres Essen. Das war nun nicht mehr ihr Problem. Heute hatte sie andere Baustellen.
Sie wusste, dass sie oft über die Grenzen ihrer Belastbarkeit ging. Vor allem im Job. Sie war gut. Sie war gefragt. Sie hatte es jetzt sogar bis zu einer Professur gebracht. Das war nie ihr Ziel gewesen, dafür hatte sie eigentlich auch gar nicht die Voraussetzungen – doch sie hatten es ihr ermöglicht. Aus Mangel an Alternativen? Oder einfach, weil sie die beste Bewerberin war?
Doch seit sie in der Uni die Stelle angetreten hatte, lief es bei ihr im Herzen nicht mehr rund. Anfangs überging sie die Zeichen. Sie wollte es sich beweisen. Sie kann das. Doch wirklich nur sich? Oder auch all den anderen, die ihr diesen Job nicht zugetraut hätten? Ihr Zweifelkobold saß ihr immer wieder auf der Schulter, flüsterte ihr Sätze ins Ohr, die ihr Angst machen sollten. Doch sie ließ sich nicht mehr von ihm beeindrucken. Wie im Rausch eignete sie sich von 0 auf 100 die neue digitale Welt der online-Wissensvermittlung für ihre Studenten an. Sie hatte Ideen, Visionen, wie sie ihr Wissen weiterreichen wollte. Sie war eine Kämpfernatur: Immer der Lösung oder dem Erreichen von Wundern zugewandt.
Doch dann schmiss es sie aus der Bahn. Die Diagnose war eindeutig. Sie kam um eine OP nicht mehr herum. Nun saß sie hier im Rehazentrum und sollte wieder zu Kräften kommen. Es waren ihre ersten Tage hier vor Ort. Am Morgen hatte sie die Müllabfuhr geweckt. Ihr Zimmer lag direkt im ersten Stock, mit Blick in den Wirtschaftshof der Klinik. Sie war aufgestanden und zum Fenster gegangen, um es zu schließen. Die Männer in ihrer orangen Aufmachung erinnerte sie an das kreative Kunstprojekt einer Studentin: Bring Farbe ins Grau. Unter dem #farbkreisreise konnte jeder der wollte, ihr im Laufe der vier Wochen Bilder zur Farbe des Monats schicken. In diesem Monat war Orange dran. Sie nahm ihr Handy vom Tisch und drückte ab. Sie hatte ihr erstes Bild: Müllmänner in Orange.
Sie ging ins Bad und schaute in den Spiegel. Die lange Linie zwischen ihrer Brust war noch eindeutig rot. Kein Bildmotiv für diesen Monat. Sie schloss den Bademantel wieder und ging zurück zu ihrem Bett. Die Schwester hatte ihr in der Zwischenzeit das Tablett mit dem Frühstück hingestellt. Sie hob die Haube und fing an zu grinsen. Dort lagen zwei Scheiben Weißbrot mit Marmelade. Sie zückt ihr Handy. Bild 2 war im Kasten. Bei der Farbe tippte sie auf Aprikose. Vielleicht ist das eine gute Idee, mit ihren Studenten Kontakt zu halten, denn irgendwann wollte sie ja hier wieder draußen sein und endlich wieder vor ihnen stehen. Die digitale Technik machts möglich. Sie schickt die Bilder per E-Mail in die Uni. Mit lieben Grüßen an alle.
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»Wenn du ein Problem hast, dann versuche, es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.«
Der Satz aus einer der Morgenmeditationen der letzten Woche ließ Sibel nicht mehr los. Er floppte immer wieder auf. Buddha hat gut reden, denkt sie. Damals als er lebte, war das Leben ein ganz anderes. Damals gab es noch keine Informationsfluten, durch die man täglich erst einmal schwimmen musste, um up to date zu sein. Damals gab es noch kein Überangebot von allem, wo man sich ständig entscheiden musste. Willst du das? Oder lieber das? Bringt dir der Post mit dem Regenbogen darauf mehr Kunden? Oder der ohne? Sibel packte ihr Handy zur Seite. Virale Medien-Detox-Diät – die hätte sie gerne, jetzt und sofort. Davon hatte Buddha bestimmt noch nie etwas gehört. Oder von der Like-Sucht, oder dem Imposter-Syndrom – wie sie alle heißen, diese neuzeitlichen Herausforderungen. Seit sie in der Agentur arbeitete, nahm auch bei ihr der Druck zu. Dauernd im Wettlauf mit der Zeit. Sie lief wie gewohnt auf Hochtouren im Hamsterrad, versuchte mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigten, doch manchmal klatschte ihr die Schnelllebigkeit wie ein nasser Lappen direkt ins Gesicht, ihr Nervenkostüm legte sie abends zerknittert und ungebügelt auf die Reservebank, ihr bisher perfektes Schutz-Mantra: „Ommmmhhh, ich schaff das“ klang oft nur noch von weitem bis zu ihr vor.
»Ist der Post schon raus?« Jedes Mal, wenn ihr Chef an ihrem Schreibtisch vorbeikommt, dieselbe Frage. Sie hat es in der Hitliste der Killer-Fragen schon fast bis nach ganz oben geschafft. Vor ihr thront nur noch die Wie geht’s-Frage. Zu Beginn fand sie Frank richtig cool. Er hatte ein klares Ziel: ein Netzwerk von Experten-Bloggern zu schaffen, die etwas in der Welt bewegen wollen. Doch mittlerweile fühlt sie sich nicht mehr so wohl. Frank pusht seit einigen Wochen ohne Ende, sieht nur seine Vision, tanzt mit seinem Dauer-YEAH!-Grinsen durchs Büro. Sein Weg ist einzig richtige. Wer in sein Konzept passt und top Leistung abliefert, darf in sein »Winner-Team«, doch wer nicht dauerhaft liefert und spurt, ist auch schnell wieder raus. Master-Mindclass, Affilate, Business, Kundenumfrage … immer nur mehr mehr mehr auf der ganzen Linie.
Sibel ist von all dem übersättigt. Am liebsten würde sie jeden Morgen vor dem Eintritt ins Büro in einen Overall kriechen, der sie vor all dem schützt. Sie liebte ihre Arbeit. Sie hat schon viele Kampagnen für andere Firmen erfolgreich umgesetzt, jedoch immer im Angestelltenmodus. Sie weiß, was sie kann und dass sie in dem, was sie tut, gut ist. Frank war damals in ihrem Erstinterview auch sofort von ihrem Portfolio begeistert, wollte sie später unbedingt in seinem Team haben. Wie jeder andere hatte auch sie zu Beginn ihren Eintrittsbonus ins Netzwerk eingezahlt. Das war keine kleine Summe, doch sie hatte die große Hoffnung, sich mit Unterstützung dieses Netzwerkes ein eigenständiges Businessmodell zu erschaffen. Die Verkaufsstrategie von Frank hörte sich so cool an: »Gemeinsam knacken wir das Limit und bringen Licht in die Welt«. Als Frank sie dann fragte, ob sie in sein Team einsteigen wolle, fühlte sie sich natürlich geschmeichelt und sagte schnell zu. Mittlerweile war sich Sibel nicht mehr sicher, ob das eine gute Entscheidung war. Ihre eigene Kundenakquise lief nur sehr schleppend an – von wegen irgendwann regnet es Kunden wie Konfetti. Im Gegenteil. Sie sah jeden Morgen im »YEAH!«-Meeting, wie sich Franks Accounts und Konten füllten, doch sie selbst blieb immer mehr auf der Strecke.
Der Satz von Buddha kam ihr wieder in den Sinn. Wie sollte sie ihr Problem lösen? Gab es eine Lösung? Oder gab es überhaupt ein Problem? Oder war das alles mal wieder nur hausgemachter Mindfuck, der aus ihrem Unterbewusstsein heraus versuchte, ihr das Wasser abzugraben?
Sie stand auf und ging ins Franks Büro: »Frank, ich danke dir für die gemeinsame Zeit hier. Doch ich glaub, es ist Zeit für mich zu gehen. Ich mach jetzt mein Ding. Viel Erfolg. Ich habe viel von dir gelernt. Ich wünsche dir alles Gute.« Die Worte gingen ihr so leicht über die Lippen, dass sie sich fragte, warum sie sie nicht schon viel früher gesagt hatte. Doch alles zu seiner Zeit. Sie ging zurück an ihren Platz und packte ihre Sachen zusammen. Sie verneigt sich mit einem Namasté und sagte leise »Danke Buddha«.
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