»Wenn du ein Problem hast, dann versuche, es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.«
Der Satz aus einer der Morgenmeditationen der letzten Woche ließ Sibel nicht mehr los. Er floppte immer wieder auf. Buddha hat gut reden, denkt sie. Damals als er lebte, war das Leben ein ganz anderes. Damals gab es noch keine Informationsfluten, durch die man täglich erst einmal schwimmen musste, um up to date zu sein. Damals gab es noch kein Überangebot von allem, wo man sich ständig entscheiden musste. Willst du das? Oder lieber das? Bringt dir der Post mit dem Regenbogen darauf mehr Kunden? Oder der ohne? Sibel packte ihr Handy zur Seite. Virale Medien-Detox-Diät – die hätte sie gerne, jetzt und sofort. Davon hatte Buddha bestimmt noch nie etwas gehört. Oder von der Like-Sucht, oder dem Imposter-Syndrom – wie sie alle heißen, diese neuzeitlichen Herausforderungen. Seit sie in der Agentur arbeitete, nahm auch bei ihr der Druck zu. Dauernd im Wettlauf mit der Zeit. Sie lief wie gewohnt auf Hochtouren im Hamsterrad, versuchte mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigten, doch manchmal klatschte ihr die Schnelllebigkeit wie ein nasser Lappen direkt ins Gesicht, ihr Nervenkostüm legte sie abends zerknittert und ungebügelt auf die Reservebank, ihr bisher perfektes Schutz-Mantra: „Ommmmhhh, ich schaff das“ klang oft nur noch von weitem bis zu ihr vor.
»Ist der Post schon raus?« Jedes Mal, wenn ihr Chef an ihrem Schreibtisch vorbeikommt, dieselbe Frage. Sie hat es in der Hitliste der Killer-Fragen schon fast bis nach ganz oben geschafft. Vor ihr thront nur noch die Wie geht’s-Frage. Zu Beginn fand sie Frank richtig cool. Er hatte ein klares Ziel: ein Netzwerk von Experten-Bloggern zu schaffen, die etwas in der Welt bewegen wollen. Doch mittlerweile fühlt sie sich nicht mehr so wohl. Frank pusht seit einigen Wochen ohne Ende, sieht nur seine Vision, tanzt mit seinem Dauer-YEAH!-Grinsen durchs Büro. Sein Weg ist einzig richtige. Wer in sein Konzept passt und top Leistung abliefert, darf in sein »Winner-Team«, doch wer nicht dauerhaft liefert und spurt, ist auch schnell wieder raus. Master-Mindclass, Affilate, Business, Kundenumfrage … immer nur mehr mehr mehr auf der ganzen Linie.
Sibel ist von all dem übersättigt. Am liebsten würde sie jeden Morgen vor dem Eintritt ins Büro in einen Overall kriechen, der sie vor all dem schützt. Sie liebte ihre Arbeit. Sie hat schon viele Kampagnen für andere Firmen erfolgreich umgesetzt, jedoch immer im Angestelltenmodus. Sie weiß, was sie kann und dass sie in dem, was sie tut, gut ist. Frank war damals in ihrem Erstinterview auch sofort von ihrem Portfolio begeistert, wollte sie später unbedingt in seinem Team haben. Wie jeder andere hatte auch sie zu Beginn ihren Eintrittsbonus ins Netzwerk eingezahlt. Das war keine kleine Summe, doch sie hatte die große Hoffnung, sich mit Unterstützung dieses Netzwerkes ein eigenständiges Businessmodell zu erschaffen. Die Verkaufsstrategie von Frank hörte sich so cool an: »Gemeinsam knacken wir das Limit und bringen Licht in die Welt«. Als Frank sie dann fragte, ob sie in sein Team einsteigen wolle, fühlte sie sich natürlich geschmeichelt und sagte schnell zu. Mittlerweile war sich Sibel nicht mehr sicher, ob das eine gute Entscheidung war. Ihre eigene Kundenakquise lief nur sehr schleppend an – von wegen irgendwann regnet es Kunden wie Konfetti. Im Gegenteil. Sie sah jeden Morgen im »YEAH!«-Meeting, wie sich Franks Accounts und Konten füllten, doch sie selbst blieb immer mehr auf der Strecke.
Der Satz von Buddha kam ihr wieder in den Sinn. Wie sollte sie ihr Problem lösen? Gab es eine Lösung? Oder gab es überhaupt ein Problem? Oder war das alles mal wieder nur hausgemachter Mindfuck, der aus ihrem Unterbewusstsein heraus versuchte, ihr das Wasser abzugraben?
Sie stand auf und ging ins Franks Büro: »Frank, ich danke dir für die gemeinsame Zeit hier. Doch ich glaub, es ist Zeit für mich zu gehen. Ich mach jetzt mein Ding. Viel Erfolg. Ich habe viel von dir gelernt. Ich wünsche dir alles Gute.« Die Worte gingen ihr so leicht über die Lippen, dass sie sich fragte, warum sie sie nicht schon viel früher gesagt hatte. Doch alles zu seiner Zeit. Sie ging zurück an ihren Platz und packte ihre Sachen zusammen. Sie verneigt sich mit einem Namasté und sagte leise »Danke Buddha«.
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Gelegenheiten gibt es wie Sand am Meer. Zu jeder Zeit, immer und überall. Die Frage ist nur: Nehmen wir sie wahr? Und welche Gelegenheiten ergreifen wir, welche lassen wir ungenutzt an uns vorüberziehen? Entscheiden wir das bewusst oder unbewusst?
Eine Gelegenheit ist ein Moment, der dir die Möglichkeit bietet, einen deiner Wünsche, Träume, Sehnsüchte oder Ziele zu erreichen. In allen Bereichen. Das können ganz große und ganz kleine sein. Sie sind so vielseitig, wie das ganze bunte Leben. Ob nun der Wunsch nach einer Familie, nach einem gesunden Körper, einer großen Liebe oder das Ziel des nächsten Schrittes zu beruflichen Verwirklichung, die nächste Ausbildung oder der Traum vom eigenen Garten, vom Lottogewinn, vom nächsten Date oder davon, ein Musikinstrument spielen zu können …
In den heutigen Zeiten werden wir jedoch mit so vielen Informationen überflutet, dass es nicht immer leichtfällt, gute Gelegenheiten gleich zu erkennen und sie bestenfalls auch zu ergreifen.
Gelegenheiten auf der Skala von 1-10
So wie in anderen Wissenschaftsbereichen, wo das Skalensystem von 1-10 zur Beschreibung eines Zustandes genutzt wird, kann man diese Methode auch zur Betrachtung und Einordnung von Gelegenheiten nutzen. Was macht dabei den Unterschied aus? Hier findest du eine kleine Einführung:
1-3er Gelegenheiten
Diese Stufen von Gelegenheiten kennen wir alle. Sie sind für uns völlig selbstverständlich und erfüllen unsere alltäglichen Bedürfnisse, wie z.B. einen vollen Kühlschrank vorzufinden oder auf dem Weg nach Hause am Supermarkt für den Einkauf vorbeizukommen. Ohne Anstrengung und ohne darüber lange nachzudenken, fallen dir diese Gelegenheiten erfahrungsgemäß in den Schoß. Sie sind der routinierte Schmierstoff im Alltag, damit alles gut läuft. Bei diesen Gelegenheiten kannst du also sprichwörtlich ganz bequem auf deinem gewohnten «Komfortzonensofa» sitzen bleiben. Der innere Autopilot ergreift sie, sie sind dir zur Gewohnheit geworden.
4-6er Gelegenheiten
Bei diesen Gelegenheiten musst du dich schon mal von deinem «Alltagssofa» erheben. Diese fallen dir nicht mehr nur einfach nur zu. Um sie zu ergreifen, braucht es von dir einen kleinen, meist jedoch noch sehr bequemen Einsatz. Deine Lebensumstände und Fähigkeiten helfen dir dabei. Das kann der Anruf beim Pizzaservice sein, weil du heute keine Lust zu Kochen hast oder das Angebot einer Freundin, dass sie für dich etwas besorgt, weil du keine Zeit hast.
7-8er Gelegenheiten
Auf diesen Stufen wird es noch spannender, denn diese Gelegenheiten kostet dich schon etwas mehr. Mehr Einsatz, mehr Disziplin, mehr Anstrengung, meist auch schon eine bewusste Entscheidung. Doch auch hier reichen deine bisherigen Fähigkeiten und Erfahrungen aus, um sie zu ergreifen. Eine dieser Gelegenheiten wäre vielleicht ein neuer Job bei der Konkurrenz oder die Renovierung deiner Wohnung oder deines Hauses. Du hast ein klares Ziel, doch es ist nicht mal so einfach mit “links” umzusetzen. Hier brauchst du schon einen Plan, Durchhaltevermögen, Disziplin und einen starken Willen, sonst wird diese Gelegenheit im Himmel der Möglichkeiten erfolglos verglühen.
9-10er Gelegenheiten
Hier sind wir in der Königsdisziplin angekommen. Wer nach diesen Gelegenheiten Ausschau hält, braucht zusätzlich zu all dem bisher beschriebenen noch eine große Portion Mut und eine wache Aufmerksamkeit. Denn hier geht es um Gelegenheiten, wo du dich komplett ins Unbekannte strecken musst. Hier betrittst du absolutes Neuland. Du lässt dich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang ein. Du bist bereit etwas zu riskieren. Das ist die Abteilung von Gelegenheiten ohne doppelten Boden. Zum Beispiel, wenn du dich mit einer Idee selbständig machst oder all dein Hab und Gut verkaufst, um auszuwandern oder du beschließt, deinen ersten Marathon zu laufen, du meldest dich dafür an, obwohl du dafür noch gar nicht trainiert hast. All diese Aktivitäten, wo du im ersten Moment „das mache ich nie!“ sagen würdest und es dann doch tust, sind 10er Gelegenheiten.
Fazit
Das Schöne an 10er Gelegenheiten ist, dass, wenn du den ersten Schritt ins Unbekannte getan hast, alles Weitere viel leichter vorangeht. Einfach weil du dich sehr bewusst dafür entschieden hast. Denn meistens ist es nur der innere Schweinehund, der uns viele Geschichten darüber erzählt, warum wir bestimmte Dinge nicht tun sollten.
Das Leben ist viel zu kurz, um immer nur im 2. Gang unterwegs zu sein. Ich lade dich daher ein, starte deinen Porsche und halte Ausschau nach diesen 10er Gelegenheiten, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das Leben wird mit ihnen nie langweilig und immer bunter.
Doch Achtung: Das Besondere an 10er Gelegenheiten ist auch, dass sie superschnell auftauchen, meist einmalig sind und daher auch schnell wieder vorbei sind. Deshalb: Trau dich einfach! Denn wann, wenn nicht heute ist ein guter Tag, um neue Wege zu gehen.
Ich wünsche dir eine große Portion Mut und Glück.
PS: Dass ich hier heute auf meiner neuen Website meinen ersten Blog poste, ist für mich gerade die Vollendung einer 10er Gelegenheit.
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