4-Wort-Story: Schublade, Ordnung, Kategorie, Verletzung

4-Wort-Story: Schublade, Ordnung, Kategorie, Verletzung

Ihr Büro lag am Ende des Ganges. Nach dem Umzug ins neue Haus, war sie froh, mit ihrem Schreibtisch nicht mehr im Trubel mittendrin sitzen zu müssen. Endlich ihr eigenes Büro, ihre eigene Ordnung. Jahrelang hatte sie mit diesem Wunsch ihrem Chef im Ohr gelegen, nun hatte sich ihr Traum verwirklicht. Hier hatte sie endlich die Ruhe, die sie für ihre Arbeit brauchte, auch wenn nun nicht mehr alle Nachrichten brühwarm um ihre Ohren wehten. Sie vertraute darauf, dass das, was für sie wichtig wäre, den Weg zu ihr finden würde. Ihre FoMo, die Angst etwas zu verpassen, hatte sie nicht mehr im Griff. Sie hatte sie überwunden. Nur noch selten bekam sie deswegen Herzrasen. Vor allem seit sie das Meditationsritual am Morgen für sich entdeckt hatte, konnte sie viel besser die Dinge einfach geschehen lassen. Das tat ihr gut. Das wollte sie nicht mehr missen. Früher hätte sie solche Rituale sofort in die Schublade „Esoterik“ gepackt. Heute weiß sie es besser.

Auf ihrem Schreibtisch lagen wild durcheinander alle möglichen Spickzettel zum Thema „Folgen eines Unfalls auf die Beziehung und das Umfeld“. Die nächste Ausgabe der Zeitschrift sollte die Auswirkungen von Verletzungen beleuchten. Das Thema hatte sie sofort begeistert. Als der Chef es in der Redaktionskonferenz vorgestellt hatte, fingen ihre Augen sofort an zu leuchten. Sie melde sich sofort für den Auftaktartikel. Immerhin hatte sie mit diesem Thema selbst erlebte Erfahrungen, wusste wie sich ein Unfalltrauma auf alle Beziehungen des Betroffenen auswirkt. Darüber wollte sie schreiben.

Die Tür ging auf. Erik, ihr Chefredakteur, steckt den Kopf durch den Türspalt. „Hast du mal kurz eine Sekunde?“

Marie wusste, das mit der Sekunde war ein Witz. Wenn sie jetzt ja sagt, ist der Nachmittag zum Schreiben gelaufen.

„Ist es wirklich so wichtig? Eigentlich habe ich keine Zeit. Ich will heute unbedingt noch den Artikel für den Auftakt fertig schreiben.“

„Marie, komm schon. Den Artikel schüttelst du doch auch noch in 30 min aus dem Ärmel. Ich kenn dich doch.“

Marie stöhnte. Das war jetzt wieder einmal ein Aktion aus der Kategorie „Übergriff“. Erik wusste, dass sie ihm nichts abschlagen konnte. Er war ihr Chef. Sie kannten sich schon lange. Nicht nur aus dem Büro. Es gab Zeiten, da hätte Marie alles für ihn getan. Daher kannte sie die Gefahr. Schon länger dachte sie deshalb daran, die Redaktion zu verlassen. Nicht weil ihr die Arbeit nicht gefallen würde, ganz im Gegenteil, hier konnte sie über das Schreiben, was sie bewegte, sondern weil sie sich vor 2 Jahren nicht selbst treu geblieben war. Sie kannte das Gebot: Never fuck in the company. Und doch ist sie damals schwach geworden. Sie hatten einen wundervollen Sommer zusammen. Doch er wollte nur eine neue Trophäe in seiner Sammlung. Sie hatte von mehr geträumt, war damals so naiv und blauäugig. Seitdem kannte er viel zu genau ihre Schwachstellen. Wieder einmal blitzte kurz der verlockende Gedanke des sich endlich selbständig Machens in ihr auf. Doch jetzt hatte sie doch gerade erst ihr schönes neues Büro in der Redaktion bezogen.

„Okay, Erik. Aber wirklich nur 10 Minuten“

Grinsend schloss Erik hinter sich die Tür. Er hatte es wieder geschafft. Sie würde ihm auch weiterhin die Treue halten.

 


Ein herzliches DANKE an Silke aus der The-Content-Society für die inspirierende „Wörterspende“.


 

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4-Wort-Story: Suppenschüssel, Magenknurren, Plasteblume, Lötkolben

4-Wort-Story: Suppenschüssel, Magenknurren, Plasteblume, Lötkolben

Ich schaue auf die Uhr. Die Sitzung zieht sich wieder in die Länge. Wie immer will jeder zu jedem Thema seine Sichtweise loswerden. Hat denn keiner von denen Hunger? Ich höre mein lautes Magenknurren und wird wohl mein Beitrag zur Diskussion sein. Ich will, dass endlich Schluss ist mit dieser Nabelschau der Selbstwichtigkeiten. Doch ich habe hier nichts zu sagen. Ich lehne mich zurück und schaue durch die Runde: Hat sich Lena die Haare gefärbt? Schöne Farbe, steht ihr. Als mein Blick auf Martin fällt, traue ich meinen Augen nicht. In seinem Knopfloch am Revers steckt eine Rose. Ist die echt? Das muss ich ihn gleich mal nachher fragen. Während ich noch meinen Gedanken nachhänge, fangen auf einmal alle im Kreis an zu klatschen. Oh, das ist das Zeichen, die Sitzung ist gleich zu Ende.
In der Kantine ist es wie jeden Tag brechend voll. Wenn mein knurrender Magen nicht wäre, dann würde ich mich an der langen Schlange anstellen. Es gibt Spargel mit leckerer Soße. Doch so entscheide ich mich für die schnellste Variante, schnappe mir eine leere Suppenschüssel und gehe zur Salatbar.
An unserem gewohnten Abteilungstisch bin ich daher die Erste und fange schon mal an. Bei uns zu Hause gab es das Sprichwort: „Hunger macht böse“ und ich könnte die Erfinderin dieser Weisheit sein. Wenn ich jetzt schon mal etwas esse, erhöht sich die Chance, dass ich in der Pause zahm und geduldig den Gesprächen meiner Kollegen folgen kann. Mittlerweile füllt dich der Tisch. Ich mache Lena ein Kompliment zu ihrer Frisur und sehe, wie sie sich freut, dass jemand mitbekommen hat, dass sie beim Friseur war.  In all dem Trubel der Arbeit rutschen diese kleinen Streicheleinheiten oft weg. Wie aufmerksam nehmen wir denn unsere Umgebung noch wahr? Jeden Tag der gleiche Weg zur Arbeit. Sehe ich überhaupt noch, wohin ich gehe, wem ich begegne, oder setze ich einfach nur noch Schritt vor Schritt und bin in der Routine des Alltags gefangen?

Das war auch die große Frage, die die Seminarleiterin uns am Wochenende in ihrem Kurs gestellt hatte. Wie achtsam sind wir unterwegs. Würde es uns auffallen, wenn etwas anders auf unserem Weg wäre? Sie startete mit uns ein Experiment. Wir sollten am Samstag den Raum, in dem wir saßen, ganz genau anschauen und jede Kleinigkeit wahrnehmen. Sie sagte uns nicht warum. Als wir am Sonntag kurz vor Beginn der Abschlussfeedbackrunde waren, brachte sie unsere Aufmerksamkeit nochmals zu dieser Übung zurück. Was war uns am Sonntag aufgefallen, was am Vortag anders gewesen war? Jeder schaute sich jeder nochmals im Raum um. Es war erstaunlich, was jedem in seinem Gedächtnis hängengeblieben war. Diese Übung öffnete Vermutungskisten und Fantasien, was alles da gewesen war. Von Fahnen an der Wand, Stecknadeln auf der Erde bis hin zum Inhalt einer Bastelkiste mit einem Lötkolben und anderem Werkzeug. Es war unglaublich zu sehen, wie uns das Gedächtnis und Gehirn uns manipuliert. Manche hätten ihre Hand dafür verwettet, dass etwas da gewesen war, doch die Seminarleiterin hatte vor dem Kurs Bilder vom Raum als Beweis gemacht. Keine Chance, einiges war wirklich nur erdacht.
Martin tippt mir auf die Schulter. „Wo bist du denn gerade mit deinen Gedanken unterwegs?“
Nochmals fällt mein Blick auf seine Jacke und ich frage ihn: „Ist die echt?“
„Natürlich, dachtest du etwas ich stecke mir eine Plasteblume an? Das wäre doch nicht mein Stil. Willst du mal riechen?“

 


 

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4-Wort-Story: Taube, Regenbogen, Gästeliste, Wasserschaden

4-Wort-Story: Taube, Regenbogen, Gästeliste, Wasserschaden

Seit Tagen regnet es in Strömen. Wo kommt nur dieses viele Wasser her. Eine weise Frau hat mir einmal gesagt, dass, wenn die Menschen nicht genug weinen, dies die Natur übernimmt.

Armes Deutschland, hier weint wohl keiner mehr. Dabei hätten wir genug Gründe. Wahrscheinlich haben alle Angst vor einem Wasserschaden und behalten dafür lieber ihren Dachschaden. Wie auch immer, ich stehe zu meinem Geheule und lade alle immer wieder von Herzen gerne mit meinen „Heul doch“-Karten dazu ein. Am Ende des Regenbogens lacht die Sonne! Und der Regenbogen heißt ja nicht umsonst REGEN-Bogen. Lass uns mit unseren Tränen die Erde segnen. Jede Träne, die sich ihren Weg ans Tageslicht erobert und zu Boden fällt, nährt den Boden für wundervoll leuchtende Blumen. Also lass rollen Baby!

Was ist mir denn da schon wieder aus den Fingern geflutscht? Meine ich das wirklich ehrlich? Ich spüre in mich und sage leise Ja. Doch gleich im nächsten Moment ahne ich, dass ich mit diesem Aufruf bei meinem Chef wohl keine Lorbeeren ernten werde. In der Werbung wollen alle nur Lachen, Singen, glücklich sein. Lieber Tralala an der Oberfläche als Hingucken mit Tiefgang. Dabei würde dem einen oder anderen ein bisschen mehr Nachsinnen über ihre Unsinnigkeiten guttun.

Vielleicht würde der eine oder andere dann auch mal seinen Mund halten, wenn ihm bewusst wäre, wie viel Schwachsinn über seine Lippen rauscht, ungefiltert, brachial, hemmungslos. Ob es meine Kollegen schaffen würden, in der nächsten Mitarbeiterbesprechung mal 2 min einen Raum der Stille zu halten? Das wäre eine Herausforderung. Meist zeigen sich ja schon vor der Sitzung gockelhafte Ansätze, die dann in einzelnen Testosteronausbrüchen ihren Höhepunkt finden. Oft muss ich spätestens nach dem zweiten Anfall die Fenster öffnen, sonst wird der Feueralarm ausgelöst, bei so viel sturer Bockigkeit, wer denn der Beste sei.

Wie gut, dass ich in diesen Sitzungen nur das Protokoll schreiben muss und dass sie nur einmal in der Woche stattfinden. Öfter würde ich das auch gar nicht aushalten. Es ist schon erstaunlich, denn wenn ich mit ihnen einzeln unterwegs bin, sind sie doch sehr zuvorkommend und liebenswert. Ist das ein kollektives Herdenverhalten? Alleine geht’s, doch zusammen ist nichts möglich? Worüber ich mir schon wieder den Kopf zerbreche.

Dabei ist mein Schreibtisch voll mit unerledigtem Zeug. Die Gästeliste für die nächste Ausstellungseröffnung muss geschrieben werden, dazu auch gleich der Serienbrief mit den Einladungen. Und dann soll das ganze Projekt auch noch ins Netz. Damit tue ich mich immer noch schwer. Sie haben es mir zwar am ersten Tag gezeigt, doch das war zusammen mit 100 anderen Sachen. Wer soll sich das denn alles auf einmal merken? Ich habe zwar ganz fleißig alles in mein kleines Buch geschrieben, doch von Routine bin ich noch weit entfernt.

Vollüberflutung. Kein Wunder, dass ich nichts mehr essen kann und andererseits ständig aufs Klo muss. Und nicht zu reden von meinem Freund, dem Zweifler, der mir immer wieder zusetzt, wenn ich es gerade gar nicht brauche. Hey, jetzt reiß dich aber mal am Riemen. Wie hatte Gina es in der letzten Yogastunde beschrieben?: „In dieser Haltung könnt ihr so ganz langsam tief einatmen, dass ihr in euch das friedliche Gurren einer Taube hört.“ Ich setze mich aufrecht hin, stelle beide Beine auf den Boden, ziehe den Beckenboden an, Bauchnabel rein und lege die linke Hand flach auf meine Stirn und drücke mit der rechten mein linkes Ohrläppchen. So halte ich inne.

Auf einmal wird es still im Raum. Alle schauen mich an. Mist. Schade, hätte ja klappen können. Ich merke wie ich rot anlaufe, meine Hände schweißnass werden und ich mich am liebsten unter den Tisch verstecken würde. Ich bin neu hier. Das hat wohl vor mir noch keine gemacht. Na ja ich denke bei mir: ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Warum mache ich mir eigentlich immer noch so viel Gedanken, was die anderen von mir denken. Stopp. Ab jetzt ist es mir einfach egal. Basta. Ich will leben. Also LIEBEN. Ab jetzt für immer.

 


 

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4-Wort-Story: Ballett, Teebeutel, Farbharmonie, Neid

4-Wort-Story: Ballett, Teebeutel, Farbharmonie, Neid

Als ich müde nach Hause komme und den Briefkasten öffne, liegt er drin, der Brief, auf den ich schon seit Tagen gewartet hatte. Absender: Dance Academy Brüssel. Ich halte kurz inne, überlege, soll ich ihn gleich öffnen oder lieber erst nach oben gehen, mir einen Café machen und ihn dann ganz entspannt auf dem Sofa sitzend öffnen? Ich entscheide mich für das zweite. Zu groß ist meine Angst vor dem Inhalt.

Seit ich mit 7 nach dieser blöden Aufnahmeprüfung meinen Traum vom Ballett aufgegeben hatte, habe ich nie mehr auch nur darüber nachgedacht, dass ich das Tanzen zu meinem Beruf machen könnte. Zu tief waren die Wunde und der Schmerz von damals. Doch dann kam Suse Anfang des Jahres mit dieser Ausschreibung. Ich tanzte mit ihr seit ein paar Jahre in meiner Freizeit, manchmal 5 Rhythmen, manchmal einfach nur wild darauf los, wo immer sich die Gelegenheit ergab. Zusammen mit ihr entdeckte ich das Tanzen wieder. In dieser Zeit wurde mir immer mehr klar, wie lebensnotwendig es für mich ist, wie es mich aus meinen tiefen Tälern der Traurigkeit rettete. Wenn ich tanze, dann bin ich eins mit mir, in meiner Mitte, das ist meine Energiesteckdose.

Ich mache es mir auf meinem Sofa gemütlich. Wie sehr ich meine Wohnung liebe, all die schönen Gegenstände, die ich über die Jahre auf meinen Reisen gesammelt habe, vieles aus der Natur, manche ganz eigenwillig, individuelle Einzelstücke. So wie ich. Sie sind mir sehr vertraut, zaubern eine ganz besondere Farbharmonie, die mich immer wieder inspiriert. Vorsichtig öffne ich den Brief und ziehe das Stück Papier heraus. „Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass uns Ihre Bewerbung mit ihrem Video sehr gut gefallen hat und wir Ihnen einen Platz in unserem nächsten Ausbildungszyklus zur Tanztherapeutin anbieten. Wir bitten Sie, uns zeitnah mitzuteilen, ob Sie diesen Platz annehmen wollen. Wir freuen uns auf Sie. Mit freundlichen Grüßen. Leslie Sharon. Leiterin der MasterClass“

Ich kann es kaum fassen, greife zum Telefon, muss sofort Suse anrufen. Sie hat mir so sehr geholfen, hat mich immer wieder getriezt dranzubleiben, wenn ich aufgeben wollte, meine Schichten im Café übernommen, damit ich weiter für das Video proben konnte, hat mir gekühlte Kamillen-Teebeutel auf meine wunden Fußzehen gelegt, hat auch noch an mich geglaubt, wenn ich schon wieder zu viel zweifelte. Ohne sie gäbe es diese Bewerbung, dieses Video, diesen Brief gar nicht. Ich wähle ihre Nummer. „Suse, hast du Zeit? Kannst du vorbeikommen? Ich muss dir etwas ganz Wichtiges zeigen. Ja, bis gleich.“ Als ich auflege, kommen mir Zweifel. Und wenn sie sich nicht mit mir freuen kann? Hatte sie nicht auch gesagt, wie gerne sie sich beworben hätte und sich nur nicht trauen würde? Nicht dass jetzt Neid und Konkurrenz unsere Beziehung zerstört. Noch habe ich die Wahl, ob ich zusage. Ich hoffe, dass sie bald vorbeikommt. Sie klang so anders.

Im Treppenhaus höre ich schon von oben lautes Lachen und Krakeelen. Ein Korken knallt und Papier raschelt. Als ich vorsichtig um die Ecke schaue, kommen sie gerade alle die Treppe hoch. Suse lacht strahlend, Peter, Olli, Sandra, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Auf einem Pappschild lese ich „wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke“ – mein altes Motto.

Suse nimmt mich in den Arm und sagt: „Das willst du doch wohl nicht alleine feiern, oder? Ich habe heute auch einen Brief bekommen. Wir fahren gemeinsam nach Brüssel. Na, da staunst du, was? Dachtest du etwa, ich lass dich das alleine durchziehen?“ Die Überraschung ist ihr gelungen. Wie hatte sie das all die Wochen für sich behalten können? Staunend stehe ich im Flur und denke: manchmal braucht es eben ein bisschen länger, bis Kindheitsträume wahr werden. Da fällt mir wieder mein Motto ein und ich grinse.

Wir feierten lange und tanzten die ganze Nacht. Am nächsten Morgen schickten wir beide unsere Zusage nach Brüssel ab.

 


 

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4-Wort-Story: Taste, Orange, Wichtel, Straße

4-Wort-Story: Taste, Orange, Wichtel, Straße

Im Muggelland ist Alarm. Alle sind auf den Beinen und wollen wissen, was passiert ist.

Gestern Abend zog eine dicke dunkle Wolke über den Himmel. Vorsichtshalber hatte das Oberkomitee schon vor Tagen eine Gefahrenmeldung über die Grashalmpostanlage an alle Bewohner des Landes gesimst. Maggi hatte daraufhin alle Schränke verschlossen und an den Sofas die Sicherheitsgurte befestigt.

„Man weiß ja nie“, hatte sie gesagt, „lieber sind wir vorbereitet, als das am Ende alles wieder so anders ist. Sie hatte auch in der Höhle ihrer drei Töchter, Milli, Molli und Melli, die Gucklochdichtungen erneuert und den Schleusenschlüssel herausgelegt. Bevor ihr Mann Manni das Muggelland wieder verlassen musste, hatte er noch in beide Höhlen eine Sicherheitsschleuse eingebaut, damit seine Frauen in Sicherheit waren, sollte es mal wieder zu einem Faschingsumzug der Wichtelzwerge kommen.

Die Wichtel liebten es im Muggelland ihren Unfug zu treiben, giggelnd klopften sie dann an jede Tür, erzählten Nonsens und baten um Einlass. Und wer nicht schnell genug alle Ritzen geschlossen hatte, da waren sie schon im Haus. Die Wichtel versteckten sich dann gerne in den Schränken und wollten mit ihrer lustigen Art dafür sorgen, dass die Muggel:innen aus ihrem Kontroll- und Ordnungszwang ausstiegen. Doch für die meisten Muggels war das unmöglich. Sie wollten ihre Ruhe und ihre Ordnung. Alles sollte so bleiben wie es war. Bloß keine Veränderungen.

Manni, dessen Mutter eine Wichteline war, hatte ihnen oft erzählt, wie es im Wichtelland zuginge. Der Oberwichtel würde immer wieder ein langes Seil, an dessen Ende eine große reife Orange hing, vom höchsten Baum des Waldes als Pendel schwingen lassen und wisse dann, zu welcher Zeit die Muggels die nächste Dosis an Informationen bräuchten, damit die Entwicklung im Muggelland vorwärtsginge.

Für Manni war es nie einfach. Die ersten Jahre war er bei seiner Mutter im Wichtelland aufgewachsen, doch dann war er zu groß geworden und seine Mutter sandte ihn zu seinem Vater ins Muggelland. So reiste er seitdem immer wieder hin und her und war innerlich oft zerrissen. Er liebte seine Eltern, doch die Lebensweisen beider waren so unterschiedlich.

Als er dann Maggi getroffen hatte, musste er sich entscheiden. Muggel oder Wichtel. Er entschied sich für Maggi. Doch nun lag seine Mutter im Sterben und er brachte es nicht übers Herz, sie alleine im Wichtelland ihrem Schicksal zu überlassen. Er war schon 4 Wochen fort aus Muggelland und wusste seit ein paar Tagen, dass die Wichtel einen magischen Plan umsetzen wollten. Das Ziel war die Muggelstadt, in der seine Frau und seine 3 Töchter lebten.

Wie konnte er sie nur warnen? Die Wichtel hatten die Straße ins Muggelland sowie den internationalen Zugang zur Grashalmpost besetzt. Er konnte nur hoffen, dass Maggi all die von ihm erdachten Sicherheitssysteme aktivieren würde und nicht leichtsinnig, wie sie aber jedoch einmal von ihrem Naturell her war, die Nachrichten vom Oberkomitee nicht ernst nehmen würde. Diesmal war es wirklich kein Spiel.

Den Wichteln war es überaus wichtig, dass ihre geplante Blitzaktion gelingt. Er hatte von seiner Tante gehört, dass letzte Woche eine Sicherheitskonferenz in Wichtelmania stattgefunden hatte. Großmutter Erde, die zu dieser Sitzung eingeladen hatte, legte dort die neusten Erkenntnisse der Entwicklung auf den Tisch und warnte alle: Wenn sich nicht bald etwas im Muggelland ändern würde, dann würde sie sich schütteln und selbst dafür sorgen, dass sie ernst genommen würde. Sie nahm eine Taste aus dem System der Lebensquellorgel heraus und übergab sie an den Oberwichtel, mit der Aufgabe, dass er diese zum Oberkomitee ins Muggelland bringe. Und sie erklärte: „Erst wenn die Muggels diese Taste zum hellen Klingen gebracht haben, darf diese wieder mitspielen in der Musik der Welten. Ansonsten schalte ich sie aus.“

Manni überlegte, ob er sich nicht als Mittler zwischen den Ländern zur Verfügung stellen sollte. Er kannte beide Seiten. Seine Mutter würde ihn verstehen und er würde seine Tante bitten, bei ihr zu bleiben.

 


 

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4-Wort-Story: Autofahren, Pampelmuse, Hut, Zwerg

4-Wort-Story: Autofahren, Pampelmuse, Hut, Zwerg

Mimi zog sich bockig ihren Schlafanzug wieder an. Das machte sie immer so, wenn Papa ihr nicht sofort und gleich ihre Wünsche erfüllte. Mit großen Augen und einem dicken Schmollmund streifte sie dann zurück in ihr Kinderzimmer. Soll er doch sehen, wie er mich wieder zum Lachen bekommt. Mir egal. Ich bin jetzt bockig.

Dabei hatte der Tag so schön begonnen. Papa war nach einer Woche endlich wieder von seiner Reise nach Hause gekommen und hatte sich den ganzen Tag freigenommen, um mit ihr zu spielen. Schon am Montag hatte sie darüber nachgedacht, was sie mit ihm unternehmen könnte: Schaukeln, buddeln, Geschichten lesen, trödeln, Eierkuchen backen oder am liebsten Autofahren. Das liebte sie am meisten.

In diesem kleinen Gefährt zu sitzen, das Vibrieren des Motors zu spüren und ihren Vater fluchen zu hören, wenn die anderen auf der Straße nicht das taten, was er gerne wollte. Sie waren entweder zu langsam oder zu schnell, zu nah oder wechselten einfach ohne zu Blinken die Spur. Da war ihr Vater voll in seinem Element und sie habe ihn schon ganz oft gefragt: „Du Papa, wenn ich groß bin, bringst du mir dann das Autofahren bei?“ Dann lächelte er und streichelte ihr liebevoll über den Kopf.

Und jetzt dieses große laute Nein von ihm. Sie konnte es gar nicht verstehen. Sie hatte doch schon die ganzen Jahre über in ihrem Kinderzimmer geübt. Seit dem Tage, an dem ihr ihr Papa diesen schönen großen Teppich mit der Verkehrskreuzung und den Verkehrsschildern geschenkt hatte. Sie setzte sich ans Steuer ihres großen Holzautos und fuhr wieder und wieder die aufgemalten Straßen ab. Und ihre Kasperlepuppe Zwerg Nase hat immer mit aufgepasst, dass sie nicht zu schnell um die Ecke fährt. Dann ist er nämlich immer auf dem Beifahrersitz umgefallen und hat sie angestupst und sie wusste sofort, oh jetzt war ich zu schnell. Doch das ist ihr doch schon lange nicht mehr passiert. Sie hatte ihr Auto voll im Griff.

Mimi überlegt, was sie tun sollte. So schnell wollte sie nicht aufgeben. Sie schnappte sich ihre neue Hose, die Mama ihr letzte Woche mitgebracht hatte. Zwinkernd hatte sie ihr auch noch ein Geschenk mitgebracht und sagte: wenn du nächste Woche mit Papa Pferde stehlen gehen willst, dann brauchst du auch einen Hut.

Den setzte Mimi sich jetzt auf, zog ihn sich tief ins Gesicht und ging mutig ins Wohnzimmer, wo Papa Zeitung lesend noch am Frühstückstisch saß. Er schaut nicht auf und sie überlege, wie sie es geschickt einfädeln könnte,
ihn doch noch von ihrem Plan zu überzeugen, ihr das Auto fahren beizubringen. Immerhin war sie vor ein paar Wochen schon 8 geworden.  Sein großes Mädchen, wie er es immer vor anderen sagte.

„Papa?“, flüsterte sie leise.

„Nein Mimi, du hast meine Antwort gehört“, unterbricht er sie.

„Du weißt doch noch gar nicht, was ich sagen wollte“, entgegne sie ihm empört. Er schaut hoch und verzieht das Gesicht, als ob er gerade in eine Pampelmuse gebissen hätte.

„Da hast du ganz recht, liebes. Was wolltest du mich denn fragen?“ Er streckt den Arm nach ihrem Hut aus, zieht ihn nach hinten und schaut Mimi in die Augen.

In diesem Moment verschwand in ihr der Mut, sie holte tief Luft und sagte: „Ich wollte dich fragen, ob du mit mir im Garten ein Baumhaus mit Leiter bauen willst.“

Freudestrahlend nahm er sie in den Arm, gab ihr einen Stups auf die Nase und sagt: „Na klar, das machen wir. Ich dachte schon, du willst schon wieder Autofahren lernen. Geh doch schon mal aus dem Keller deinen Werkzeugkasten holen, ich komme auch gleich in den Garten.“

Mimi strahlt, doch bevor sie in den Keller geht, holte sie noch ihren kleinen Freund Zwerg Nase. Ohne ihn stürzt sie sich nie in ein Abenteuer. Und das wird eins werden.

 

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4-Wort-Story: Neuanfang, Seiltänzer, Freiluftkino, Cocktail

4-Wort-Story: Neuanfang, Seiltänzer, Freiluftkino, Cocktail

Blatsch! Die rote Flüssigkeit rinnt in zarten Linien über die Wand. Gleich hat die erste Ader den Rahmen des Bildes erreicht. Sie schaut von weitem zu. Unwillig einen Schritt zu tun. Dann ist es eben versaut das Bild. Sie konnte es sowieso schon lange nicht mehr leiden. Und vielleicht gefällt es mir danach ja wieder.

Sie nimmt den nächsten Farbbeutel und zielt auf die gleiche Wand nur etwas seitlicher. Umso mehr Chaos dort entsteht, umso mehr zündelt eine kleine Welle von Kribbeln in ihrem Bauch. Das fühlt sich gut an. Sie wird immer mutiger. Den nächsten Beutel zielt sie direkt auf das Bild. Ein Original von Ledani. Den hatte er ihr zu ihrem Einzug in das Haus geschenkt. Der muss teuer gewesen sein. Das ist lange her. Heute ist es ihr egal. In der Nacht hatte sie ihre Sachen, nur die, die ihr wirklich wichtig waren, in zwei Koffer gepackt.

Seit sie innerlich beschlossen hatte, ihn zu verlassen, hatte sie auf den richtigen Moment gewartet. Jetzt war er da. Fredo war auf Dienstreise und ahnte wahrscheinlich gar nicht, was hier gerade vor sich ging. Er war immer so fürsorglich ihr gegenüber. Es wird ein Schock für ihn sein, da ist sie sich sicher. Doch sie kann nicht mehr. Sie fühlt sich wie in einem goldenen Käfig. Dieser Neuanfang würde für sie zwar nicht einfach sein, doch jetzt oder nie. Sie wusste, dass wenn sie den Absprung nicht schaffte, wäre sie verloren. Dann versiegt auch noch das letzte bisschen Leben in ihr. Dann hat sie ihre Seele an den Teufel verkauft.

Als sie sich kennengelernt hatten, war sie so fasziniert gewesen von seiner Ordnung, seiner Struktur, seinem in sich ruhen. Er wusste immer eine Lösung, auf alles. Sie lebte bis dahin immer am Rande des Abgrundes. Nie sicher. Nie wissend, in welcher Stadt, in welchem Bett, in welchem Arm sie abends sich schlafen legen würde. Nie wissend, ob sie am Morgen noch Geld für einen Kaffee hätte. Jahrelang tingelte sie mit einem kleinen Zirkus durch die Gegenden, schon als Kind war sie in der Revue ihrer Eltern als kleine verzaubernde Seiltänzerin aufgetreten.

Doch so schön dieses Leben auch war, hatte es auch eine andere Seite. Nie hatte sie genügend Zeit Freunde zu finden. In der Schule war sie immer die Außenseiterin, die nur für ein paar Tage oder wenn es gut lief für einige Wochen in derselben Klasse war. Fahrendes Volk ohne Wurzeln. Sie war es gewohnt, immer nur auf sich selbst gestellt zu sein. Fredo war der erste, der sie heilen konnte von ihrer Gier, sich nicht anpassen zu müssen, ihrer unbändigen Sehnsucht, immer den Himmel über sich spüren zu wollen.

Er hatte das Schlafzimmer extra für sie in das Zimmer des Hauses verlegen lassen, in dem sie über ihrem Bett durch ein Dachfenster in den Himmel schauen konnte. Und er hatte ihr den Job als Kartenverkäuferin im Freiluftkino besorgt, damit sie an der frischen Luft sein konnte, immer abends, so wie sie es liebte.

Doch so sehr sie sich bemühte, sie schaffte es nicht, sich für seine Freunde zu öffnen. Und Freunde hatte Fredo viele. Sie freuten sich alle so sehr für ihn, für seine neue schillernde Freundin, die so anders war, als all die vorherigen. Früher gab er öfter Feste, seine Tür stand für seine Freunde immer offen. Doch in letzter Zeit kamen sie oft einfach abends nur kurz auf einen Cocktail vorbei und gingen, wenn sie aus dem Kino kam.

So hatten sie sich in der letzten Zeit gemeinsam immer mehr einsam und langsam auseinanderdriftend ihre Beziehung arrangiert. Der Zauber des Anfangs war vorbei. Er suchte ein glamouröses Aushängeschild und sie schien perfekt für ihn, doch sie wollte nicht sein Schmuckstück sein. Sie wollte Leben, Lachen, Lieben, trunken vor Freude, die Menschen mit ihren Kunststücken beglücken. Im Kino verkümmerte sie nur immer mehr, genauso wie zu Hause. Sie genoss es zwar, immer die neusten Filme gesehen zu haben, doch das war kein Ausgleich zu den gedankenlos fordernden Besuchern.

Sie muss gehen. Jetzt sofort. Sie holt die beiden Koffer, legt den Schlüssel auf den Tisch und sieht sich noch ein letztes Mal um. Sie hat es probiert. Darauf ist sie stolz. Doch sie will nicht länger wider ihre Natur leben. Sie zieht die Tür hinter sich leise ins Schloss. In den Straßen hatte sie in den letzten Tagen überall die Ankündigung des Roncalli gelesen.

 


 

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4-Wort-Story: Leuchtbuchstaben, Rotkäppchen, Anfängerkurs, Dosenöffner

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Im letzten Sommer hatte ich mir vorgenommen, mal wieder etwas ganz verrücktes zu tun. Seit Jahren lebte ich so in meinem Trott und die Tage vergingen einer nach dem Anderen, ohne dass wirklich etwas Neues passierte. Sie waren einfach nur routiniert unspektakulär, so wie ich es nie haben wollte. Doch wie bewegt man sich aus seiner Sicherheitskomfortzone, ohne dass einem gleich die Angstattacken Schweißperlen unter die Achseln treiben?

Mein inneres Selbst hatte es schon oft in großen Leuchtbuchstaben in meine Träume geschrieben: Trau dich, geht raus aus deinem Mauseloch, du hast so viel zu bieten, verschenke dein Wissen und deine Talente, zeig dein Scheinen. Doch wie denn, wenn da immer wieder dieser blöde Kritiker im Wolfsgewand unterwegs ist und mich kleines Rotkäppchen fressen will?

Wie oft hatte ich dieses Märchen als Kind gelesen und wie oft habe ich schon darüber nachgedacht? Im Märchen siegt Rotkäppchen. Doch wo ist denn mein mich rettender Jäger, wo ich meine mich beschützende Großmutter? Und das Leben ist doch kein Märchen. Ich wollte wirklich etwas ändern.

Mutig machte ich mich auf die Suche. Es musste doch möglich sein, sich selbst sein Leben so zu kreieren, dass es frei ist von der Angst zu versagen oder nicht gut genug zu sein. Als ich durch das Programm der Volkshochschule blätterte, fand ich genau das Richtige: Anfängerkurs im Glücklich sein. Ich meldete mich sofort an. Er sollte schon am darauffolgenden Wochenende beginnen. Das liebe ich, wenn die Dinge ganz spontan und zeitnah stattfinden.

Wir waren 12 in der Gruppe. Eine ganz buntgemischte Truppe. Bei der Vorstellungsrunde war ich über die Vielfalt der Motivationen, diesen Kurs zu buchen, sehr überrascht. Manche wollten nur über das Glücklich sein philosophieren, einige waren ganz konkret danach auf der Suche und dann gab es noch diejenigen, die einfach den Titel interessant fanden und aus purer Lust und Freude am Glücklich sein teilnehmen wollten.

Nach dieser Runde begann der Kurs auf ganz ungewöhnliche Weise. Auf einem Tisch standen 20 verschlossene Dosen. Hella, die Kursleiterin, lud uns zu einem Experiment ein. Jeder sollte sich eine Dose aussuchen. Sie waren alle unterschiedlich groß, in unterschiedlichen Farben, mit Rillen oder ohne, mit Bildchen oder ohne, manche waren ganz leicht, andere ganz schwer, manche gaben Klappergeräusche oder andere Klänge von sich, wenn man sie hin und her bewegte – 20 Dosen – jede anders, alle einzigartig und doch hatten sie eines gemeinsam: Sie waren allesamt verschlossen.

Hella lief um uns herum und sagte: So sind wir auch, in uns verschlossen, und mein Ziel ist es, euch in den nächsten Wochen dabei zu begleiten, wenn ihr dabei seid, euren ganz persönlichen Dosenöffner zu finden. Manchmal muss man dazu die Büchse der Pandora öffnen, doch wie die meisten von euch bestimmt wissen, zum Schluss kommt aus ihr die Hoffnung.

Und so machten wir uns ans Werk und ich kann nur sagen, nachdem aus meiner Büchse der Pandora alle Schatten gewichen waren, fand ich die Hoffnung und nun mache ich ständig verrückte Dinge und bin glücklich in meinem Leben.

 

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