4-Wort-Story: Hochzeit, Schlagersänger, Sitzplan, Butterblume

4-Wort-Story: Hochzeit, Schlagersänger, Sitzplan, Butterblume

Ruth saß am Steuer ihres Autos und schaute noch einmal kurz auf die Rückbank. Hatte sie wirklich an alles gedacht und eingepackt? Sie ging noch einmal ihre innere Checkliste durch: Anzug von C., Anzug für N., Kleid für den Tag, Kleid für den Abend, die dazugehörigen Schuhpaare, das Geschenk fürs Brautpaar, die Serviettenringe aus dem alten Silberbesteck, das Honorar für den gebuchten Schlagersänger … ihr brummte der Kopf. Schon seit Wochen liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Zwei Mal war sie diesen Weg im Sommer schon nach Tirol gefahren. Zum Probeessen 1 und 2. Sie hoffte, dass an diesem Wochenende alles perfekt lief. Es war immerhin die erste Hochzeit eines ihrer Kinder. Sie stieß ein letztes Stoßgebet in den Himmel, legte den 1. Gang ein und drehte den Zündschlüssel im Schloss. Los geht’s! murmelte sie vor sich hin.

Ihr Mann war schon eine halbe Stunde vorher losgegangen, um den bestellten Blumenstrauß in ihrem Lieblingsblumenhaus abzuholen. Als sie in die Straße einbog, stand er schon lächelnd am Bordstein zum Einstieg bereit. Er stieg zu ihr ins Auto, legte das große Paket vorsichtig auf den Rücksicht. Mit einem vorsichtigen Blick sah er zu ihr und fragte: „Hast du alles dabei?“

Ruth pfiff gekonnt Luft durch den linken Mundwinkel, so dass ihre Haarlocke aus dem Gesicht nach hinten fiel und antwortete lässig „na klar habe ich alles dabei, du kennst mich doch“ und gab wieder Gas.

Die Fahrt über waren beide still. Sie waren ein eingespieltes Team. Er hielt ihr ab und zu etwas zum Trinken hin oder bot ihr klein geschnittene Früchte an. Sie saß glücklich und dankbar am Steuer. Die Aufregung schwing zwischen ihnen hin und her, bis sie am Nachmittag in dem kleinen Ort in Tirol ankamen.  Sie waren nicht die ersten. Überall wurde schon fleißig geräumt, gestellt, vorbereitet. Der kunstvoll gezeichnete Sitzplan stand auf einer Staffelei am Eingang. Ruth warf nochmals einen Blick auf ihn, hoffte, dass sie die unterschiedlichen Befindlichkeiten aller Gäste bei der Platzauswahl ausreichend berücksichtigt hatte. Sie wollte, dass sich alle wohl fühlen – so war sie eben, die quirlige Ruth mit ihrem umsichtigen Talent, Dinge im hellsten Licht sichtbar werden zu lassen. Sie liebte es, als strahlender Engel auf zwei Beinen im Leben von anderen zu zaubern. Das konnte sie wirklich gut. Das war ihre Mission, dafür arbeitete sie unermüdlich und hat schon so vielen Menschen mit ihrer mitfühlenden Art Impulse fürs glücklich sein gegeben. Sie war ein wahres Energiebündel für gute Laune, welches sie in ihrem geschaffenen Ministerium für Happiness ausleben konnte.

Doch heute sollte ihr besonderes Kind im Vordergrund stehen. Das Kind von ihr, dass sich so erfolgreich schon durch viele Hindernisse bewegt hatte, gradlinig zu sich stand, egal was andere davon hielten. Ruth hatte sich lange überlegt, wie sie N. an diesem Tag auch dafür ehren könne. Sie war so stolz auf N. Das sollte auch im Hochzeitsgeschenk sichtbar werden. Sie hatte eine Straße mit einem schönen Auto kreiert, am Wegesrand mit wichtigen Wegweisern und Schildern. Nur die frischen Blumen dazwischen fehlen noch. Ruth ging zum Auto und nahm das große Paket des Blumenhauses heraus. Sie lugte durch die Enden des Einwickelpapiers, sah den Brautstrauß und suchte nach den einzelnen Blumen für das Geschenk. Ihr Mann stand derweil mit Freunden am Hauseingang zusammen. Sie rief ihm von weitem: „Wo sind denn die bestellten Butterblumen?“ zu. Ihr Mann zuckte mit den Schultern und rief ihr: „Hast du schon gehört, der Schlagersänger hat leider abgesagt.“ zurück. In Ruth begann es zu rattern. Wo bekäme sie denn jetzt noch auf die Schnelle Butterblumen her? Der Schlagersänger war ihr in diesem Moment total egal. Sie konnte seine Musik sowieso nicht leiden. Sie setzte sich zurück ins Auto, startet und gab wieder Gas.

 


 

Diese kleine Kurzgeschichte hat dich inspiriert oder berührt?

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Monatsrückblick August 2021:    Ich bin dann mal weg … (m)eine Auszeit in BaWü

Monatsrückblick August 2021: Ich bin dann mal weg … (m)eine Auszeit in BaWü

Meine größte Herausforderung in der Vorbereitung dieses Monatsrückblickes war die Qual der Wahl aus den Hunderten von Bildern, die ich in diesem Monat fotografiert habe. Worüber will ich alles berichten, welche Bilder wähle ich aus den vielen schönen schlussendlich aus? Die Erlebnisse und Bilder dieses Monats würde ein ganzes Buch füllen. Daher ist das folgende wirklich nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt, die ich in diesem Monat erleben durfte.

 

Reha“Auszeit“ im Nordschwarzwald  

 

In den letzten Wochen lebte ich wie unter einer Glasglocke. Raus aus meinem alltäglichen Hamsterrad, rein in einen täglich verordneten Reha-Plan: alles Anwendungen fürs körperliche wie auch seelische Wohl – so ist das, wenn man zu einer psychosomatischen Rehabilitation ist. Nun liegen knapp 7 Wochen Auszeit hinter mir und Anfang September – also am Ende dieser Woche – werde ich mit viel Dankbarkeit und neuer Klarheit meine Rückfahrt in die Großstadt Berlin, in meine mir vertraute gewohnte Welt, antreten.

Vor allem eines hat mich in den letzten Wochen im Austausch mit anderen überrascht: die eher verträumte Vorstellung davon, was zur-Reha-fahren bedeutet. Es ist definitiv kein KURLAUB. Und auch die Vorstellung, dass man nach der Reha mit vollen Akkus und gut ausgeruht wieder nach Hause fährt, hab ich hier noch bei keinem erlebt. Na klar, man hat hier Zeit zum Kraft tanken, auch die sportlichen Anwendungen tun sehr gut. Doch jede Woche ist straff durchgetaktet und man hätte ja auch keine Reha bewilligt bekommen, wenn es da nicht diese kleinen „Baustellen“ gäbe, aufgrund dessen man zur Reha geschickt wurde. Ob nun körperliche Schmerzen und Probleme, Burnout, Mobbing, depressive Verstimmungen, Trauer oder Verluste verschiedenster Art – hier trägt jeder sein ganz eigenes Päckchen mit sich und in der Zeit der Reha geht es vor allem darum, für diese Päckchen Lösungen und neue Handlungsstrategien für die Zeit im Alltag danach zu finden. Die meisten hier kommen daher um die Konfrontation mit ihrem Problem nicht drumherum. Bei manchem springt da auch schon mal die unterste Schatulle der Verdrängung auf. Das kostet Kraft, Mut und lässt manchmal so manche im Alltag gut geschützte Emotionen in Wallung kommen oder das eine oder andere Mal fließen Tränen. Doch hier ist Raum und Zeit dafür – das sehe ich als ein großes Geschenk. Deshalb bin ich für die 6 1/2 Wochen, die nun hinter mir liegen, sehr dankbar (auch wenn sie zwischenzeitlich auch sehr herausfordernd waren).

Doch das Eine nicht ohne das Andere – daher wie gut, dass es da neben diesen Herausforderungen in den letzten Wochen hier im Schwarzwald auch ganz viele schöne Dinge und Erlebnisse gab. An jedem Wochenende nahm ich mir zum Beispiel einen Tag frei, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Ich wollte die Gegend kennenlernen und auch alte Freunde aus früheren Zeiten wiedersehen, die ich zum Teil über viele Jahre nicht gesehen hatte. Rückblickend kann ich sagen: es war ein praller Sommermonat neuer Erfahrungen. Und ich als Großstadtkind hab es auch in vollen Zügen genossen, dass der Wald hier im Tal gleich vor der Tür begann. Oft bin ich einfach mal in der Pause zum Waldbaden losmarschiert oder hab meine Runden im großartigen Kurpark gedreht. Das werde ich, wenn ich wieder zu Hause bin, sehr vermissen.

 

hier ist es ein bisschen wie im Märchenwald, wo die Gnome und Elfen Purzelbäume schlagen…

 

egal in welche Richtung ich losging – überall luden mich große alte Bäume zum Verweilen ein …

 

an ganz sonnigen Tagen war ein kurzer Gang durch die überall fließende Alb die beste Abkühlung …

 

Die Blog-Dekade – meine Sommer Challenge Nummer 1

 

Seitdem ich Mitglied in der Content-Society bin, bin ich motivierter denn je, Texte zu schreiben, doch vor allem auch: das Geschriebene zu veröffentlichen. Daher kam mir die Sommer Challenge: Die Blog Dekade 2021 – 10 Blogartikel in 10 Tagen – initiiert von Franzi Blickle und im Rahmen von The Content Society von Judith Peters umgesetzt, genau richtig.
Ein paar Tage vor dem Start der Challenge kam mir die Idee, die Blog-Dekade für die Reaktivierung meiner 4 Wort-Stories zu nutzen. Ich startete auf meinem Instagram-Account einen Aufruf: wer mir 4 Wörter schickt, dem schreibe ich eine Geschichte. Mein Plan ging auf. Zahlreiche 4-Wörter-Schenkungen trafen bei mir ein und ich schrieb jeden Tag eine kurze Geschichte. Jetzt bin ich wieder voll an diesem vor vielen Jahren von mir initiierten Format dran und freue mich weiterhin auf die Zusendung weiterer 4 Wörter für neue Geschichten. Also her damit … wer will seine Wörter in einer kurzen Geschichte lesen? Wie dieses Format entstanden ist und unter welchen Bedingungen die kurzen Geschichten entstehen, kannst du auf meiner Website nachlesen.
Am Ende des Monatsrückblickes findest du noch einmal alle Links zu den 10 neuen 4 Wort Stories der Blog-Dekade.

10 Blogartikel in 10 Tagen – es war eine Wucht zusammen mit den anderen aus The Content Society gemeinsam zu schreiben. Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.

 

 

 

 

 

 

WoEnde 1: Bad Wildbad – Der Baumwipfelpfad und meine Höhenangst

 

Am ersten Augustwochenende habe ich mich spontan einer kleinen Wandergruppe von 4 Mitrehabilitanten angeschlossen und wir sind mit dem Bus nach Bad Wildbad gefahren. Auf dem Programm stand: Seilbahn, Baumwipfelpfad und Hängebrücke.
Wir hatten Glück mit dem Wetter und auch an der Seilbahn gab es keine lange Schlange. So ging es ruck zuck die 60 Meter steil hinauf auf das Plateau des Sommerbergs.

Von dort ging es weiter durch den Wald zum Eingang des Baumwipfelpfades. Schon lange wollte ich den in der Nähe von Berlin liegenden Baumwipfelpfad im Fläming besuchen. Nie hatte ich es bisher geschafft, daher war das nun die beste Gelegenheit, zu prüfen, wie es um meine alte Höhenangst bestellt war. Vor 15 Jahren hatte ich meine Höhenangst beim Besteigen der Harbour Bridge in Sydney besiegt, doch seitdem war ich nie wieder irgendwo hoch hinauf gestiegen. Von außen sah der Turm für mich nicht beängstigend aus, außerdem motivierten wir uns alle gegenseitig. Der Aufstieg begann und ich war erstaunt, wie ich die eingebauten Kletterelemente mutig durchlief. Erst auf den letzten beiden oberen Außenringen fing mich meine Angst wieder ein. Doch wir hielten alle zusammen und waren am Ende stolz und glücklich über die Besteigung.

Zum Schluss haben 3 von uns 5 noch einen oben drauf gesetzt: Wir sind durch die Röhre in der Mitte des Turmes wieder nach unten gesaust. Das war wie Rodelbahnfahrt im Dunkeln, wie Spaßbad ohne Wasser. Das kostete mich mehr Überwindung als der Aufstieg. Doch am Ende hab ich mich fast tot gelacht.

Die Hängebrücke haben wir nach diesem Abenteuer auf ein anderes Mal verschoben. So schlenderten wir alle 5 glücklich zur Seilbahn zurück und vor der Busfahrt gab es noch für alle ein dickes Eis. Die letzten Reste meiner Höhenangst hab ich auf dem Berg in der Röhre verloren … Das Überqueren einer Hängebrücke steht ab jetzt auf meiner Bucket-List.

 

zu zweit ist es immer einfacher, die Angst zu überwinden … siegessicher haben wir es beide geschafft …

 

na ganz so geheuer ist es mir dann doch nicht so ganz allein dort oben am Rand zu stehen …

 

zur Krönung gab es oben gleich noch eine nächste Überwindung: durch die dunkle Röhre hinab nach unten …

 

am Anfang hab ich noch kurz geschrien, doch dann hab ich mich so was von kaputt gelacht in der Röhre. Auch diese Mutprobe erfolgreich bestanden 😉

 

 

WoEnde 2: Freiburg – die Stadt meiner geheimen Träume 

 

Seit bald fast 20 Jahren träume ich davon, in diese Stadt zu ziehen. Schon einige Male war ich auf dem Sprung, hatte auch schon einmal meine Wohnung in Berlin gekündigt, doch dann kam es immer wieder anders. Meine Freunde lachten damals laut auf, als meine Tochter dann zum Studieren in diese Stadt zog. Nun fuhr ich nach 2 Jahren mal wieder dorthin, um mich mit meiner „Clan-Nichte“ Sophie zu treffen, die seit Jahren dort lebt.

Du fragst dich vielleicht: was ist denn eine „Clan-Nichte“?
Während meiner schamanischen Ausbildung gab es eine Zeremonie, bei der Teenager zur Unterstützung auf ihrem Weg ins Erwachsenen leben außerhalb ihrer Herkunftsfamilie einen Paten/eine Patin – dort Clan-Onkel oder Clan-Tante genannt – an die Seite bekommen, die sie dabei unterstützen, ihren ganz eigenen Weg zu finden. Denn jeder weiß, dass Teenager in diesem Alter nicht unbedingt auf Hinweise und Wünsche von Mama oder Papa erpicht sind. So kam Sophie damals nach einer solchen Zeremonie in mein Leben. Eigentlich ist die Clan-Tanten-„Verpflichtung“ mit Erreichen des 21. Lebensjahres des Teenagers abgeschlossen. Doch nicht für uns. Mittlerweile ist Sophie über 30 und wir freuen uns jedes Mal riesig, wenn wir uns wiedersehen. Für mich ist sie wie eine Zieh-Tochter.

 

den ganzen Tag strahlend blauer Himmel und über 30 Grad – echtes Kaiserwetter – genau so, wie es sich für ein schönes Wochenende im August gehört

 

Blick über die Dächer aus dem WG-Zimmer mitten in der Stadt … gleich links um die Ecke daneben steht der Freiburger Dom – ein traumhafter Ausblick …

 

auf dem Weg zum Shoppen in der Altstadt am Glückskrokodil vorbei … die Münzen blinzeln im Sonnenlicht

 

nach dem Shoppen – das neue Sommerseidenkleid hab ich im Laden gleich angelassen 😉 … mit großer Melone und Picknickdecke haben wir es uns danach an der Dreisam zum chillen und quatschen gemütlich gemacht …

 

das coole am Kleid ist seine Zweiseitigkeit – einmal in grün mit Blümchen und umgedreht angezogen in lila mit Borte (siehe Bild am Rückblickanfang oben) – Sophie sagte: das musst du unbedingt mitnehmen … da konnte ich einfach nicht widerstehen … obwohl ich schon genug Sachen im Kleiderschrank habe …

 

Nach diesem Tag bin ich ganz glücklich und zufrieden zurück ins kleine Tal meiner Reha-Klinik gefahren. Meine Sehnsucht ist mal wieder geweckt. Ich will schon lange aus Berlin weg, hab nur noch keinen Plan wohin … vielleicht wird es ja irgendwann doch noch einen (erfolgreichen!) Umzug nach Freiburg geben ????

 

 

WoEnde 3: Baden Baden – ein Annäherungsversuch 

 

Als die Zusage für meine Reha kam und ich die Adresse der zugewiesenen Klinik las, dachte ich im ersten Moment: das wird eine Herausforderung. Denn so nah war ich dem Ort Baden Baden seit über 10 Jahren nicht mehr gekommen. Es ist ein Ort mit einer besonderen Geschichte, der ich mich neu stellen wollte. Es war ein ganz spontaner Entschluss von einer Mitrehabilitandin und mir nach dem Mittagessen. Jetzt oder nie – auf nach Baden Baden. Am Bahnhof angekommen, begaben wir uns als erstes auf die Suche nach der Adresse von IHR, ich wollte einfach mal das Haus von weitem sehen, in dem SIE wohnt. Wir verliefen uns zuerst, fanden dann die richtige Straße, suchten nach der Hausnummer, schauten in fremde Gärten … und dann wollte der Zufall es, dass ich IHR vor die Füße falle. Ein erstes Wiedersehen, eine große Überraschung, doch auch mit Unsicherheit auf beiden Seiten in der Luft … so war das nicht geplant. Doch manchmal schreibt das Leben seine eigenen Pläne. Wir verabredeten uns … mehr will ich hier nicht verraten …

Danach kehrten wir zu zweit wieder in die Innenstadt zurück und flanierten durch die Straßen.

 

Bei der Ankunft in der Stadt am Bahnhof

 

auf dem Trödelmarkt wollte unbedingt noch ein Kleid mit … zur Erinnerung an meinen Besuch in dieser Stadt … es wollte einfach nicht mehr von meinem Körper weichen – bestimmt weil es rot war 😉

 

wir wanderten durch die Stadt, durch schmale Gässchen und entdeckten überall wundervolle kleine Dinge …

 

an Dostojewskis Haus vorbei …

 

im Kurpark quickten die Kinder vor Freude in den Wasserspielen …

 

beim Warten in der Eischlange stand dieser Franzose vor mir … wir kamen natürlich sofort ins Gespräch – seine Maske hat er dann doch selber behalten 😉

 

ein genussvolles Schlemmen in der Kurpromenade … schon das Beobachten der Flanierenden war ein wundervolles Erlebnis … Baden Baden eben … ein Ort, wo für manche Geld keine Rolle spielt …

 

… Kunst am Bau haben wir auch genossen …

 

auf dem Rückweg kamen wir auch am Narren-Brunnen vorbei …

und vor der Rückfahrt gab es noch leckeres vom Grill …

 

Auf der Rückfahrt mit dem Zug zurück nach Bad Herrenalb war ich ganz schön platt und überwältig von den vielen Eindrücken und Erlebnissen. Doch grundsätzlich hat mir Baden Baden gefallen. Vielleicht komme ich einmal wieder …

 

 

Haiku Woche – meine Sommer Challenge Nummer 2 

 

Meine zweite Sommer Challenge kam ganz überraschend zu mir. Ich las einen Post bei Instagram und es erinnerte mich sofort an die Zeit, wo ich täglich ein Elfchen oder 7-Zeilen-Gedicht schrieb. Die 5 vorgegebenen Bilder gefielen mir und ließen meinen kreativen Wörtersack zappeln. Schwuppdiwupp nahm ich mir jeden Tag in einer Pause zwischen den Anwendungen ein Bild vor und die Wörter fanden ganz leicht und spielerisch in ihre Silben-Haiku-Form.

 

 

 

Was sonst noch im August 2021 passierte

 

Bogenschießen – mein neues Hobby?

Erst hab ich nur von weitem, von meinem Balkon aus, zugeschaut. Doch irgendwann hat mich eine Mitrehabilitantin aus meiner Gruppe direkt gefragt: Willst du auch mal Bogenschießen? Bisher hatte ich nur einmal vor rund 15 Jahren Pfeil und Bogen in der Hand. Seitdem nie wieder. Ist ja in der Großstadt auch nicht unbedingt überall möglich.

An einem schönen lauen Abend baute sie wieder ihre Ausrüstung auf der Wiese vor unserer Klinik auf. „Ja, ich will es auch mal probieren.“ Sie erklärte mir geduldig Schritt für Schritt und dann ging es los. Wow! Es hat so viel Spaß gemacht. Wir haben es noch ein zweimal wiederholt, bis ihre Reha zu Ende war. Das ist definitiv etwas, was ich noch öfter erleben möchte.

 

Erstaunlich viel Zeit verbrachten wir auch mit dem Suchen der Pfeile, die wir unter die Grasnarbe geschossen hatten – es ist unglaublich, diese wiederzufinden. Sie sind wie vom Erdboden verschluckt.

 

Kleine und große Freuden im Klinik-Alltag

 

ein Überraschungspäckchen aus der Heimat – Danke liebe Alex !!!

 

wenn Sonne und Regen im Tal aufeinandertreffen – Ausblick vom Balkon …

 

immer wieder neue Bücher in der Büchertankstelle im Kurpark …

 

nach und nach haben die lieben Grüße aus der Heimat meinen Spiegel im Zimmer überdeckt. Jedes Mal wenn ich reinschaute, habe ich mich über jede Karte gefreut … Merci euch lieben Schreiber:innen

 

und Mitte August war dann endlich auch die Sauna im Neubau fertig … 2 x kam ich in den Genuss dieser tollen Entspannung

 

und zum Spaß habe ich 2 x kurz „Kunst von der Rolle“ vorgelesen … eine kleine Lesebühne im Kurpark … als kleine Vorübung falls ich doch mal aus meinem eigenen Buch vorlesen werde …

im Wald an der Falkenstein-Ruine gibt es mehrere Nester, in den die Wasserreiher brühten – immer wieder stehen sie im Tal an den Ufern der Alb oder morgens im Teich vor der Klinik … selten lassen sie sich gerne fotografieren … daher ist dieses Foto ein glücklicher Zufall …

 

auch Verabschiedungen standen Rehabilitanten standen immer wieder an … ein alkoholfreies Radler in der „Linie 1“ oder im „Kurhaus“ machte es uns das eine oder andere leichter – ein herzliches Danke an dieser Stelle noch einmal an all euch lieben Wegbegleiterinnen meiner letzten 6 1/2 Wochen hier – ohne euch wäre es nur halb so schön gewesen!

 

Hierüber habe ich im August 2021 gebloggt

 

• in der Rubrik: Daily Inspiration
Jeden Morgen ein schöner Gedanke für den Tag

• In der Rubrik: Was ist ???
Was ist eine … Baumzeremonie?

• In der Rubrik: Schritt für Schritt
Anleitung für die Grundform einer Baumzeremonie: Die Baumumarmung

• In der Rubrik: Monatsrückblick
12von12

• In der Rubrik: Satzzeichenfreie Zone
die Haiku-Sommerwochen-Callenge

• In der Rubrik: 4-Wort-Story
Blog-Dekade Tag 1 mit den Wörtern: Suppenschüssel, Magenknurren, Plasteblume und Lötkolben
Blog-Dekade Tag 2 mit den Wörtern: Schublade, Ordnung, Kategorie und Verletzung
Blog-Dekade Tag 3 mit den Wörtern: Sahnebonbon, Sonne, Lebensfreude und Aluhut
Blog-Dekade Tag 4 mit den Wörtern: Bibliothek, Hundeschnauze, vegan und Sellerie
Blog-Dekade Tag 5 mit den Wörtern: Gartenzwerg, Mondschein, Liebestrank und Sommerfest
Blog-Dekade Tag 6 mit den Wörtern: Katze, Gewitter, Musik und Wichtel
Blog-Dekade Tag 7 mit den Wörtern: Kettensäge, Friedhof, Gänseblümchen und Hofhund
Blog-Dekade Tag 8 mit den Wörtern: Freiheit, kunterbunt, Baumhaus und Sehnsucht
Blog-Dekade Tag 9 mit den Wörtern: Zauberei, Haarwurzelentzündung, Dauerbrenner und Stoppersocken
Blog-Dekade Tag 10 mit den Wörtern: Lavendel, Rose, Frosch und Höhle

Haiku Sommerwoche im August 2021

Haiku Sommerwoche im August 2021

Hier kommt meine nächste Sommer-Challenge:

Schon lange wollte ich mich mal wieder dem lyrischen Gestalten widmen. Da kam mir die Haiku-Sommerwoche – veranstaltet vom @einhorn.verleih und @tris_merri_gold mit Fotos von  © Jutta Lorsch gerade richtig.

An 5 von 7 Tagen hieß es:    5   7   5   –    dem Grundmuster eines Haiku.

Ein Haiku ist eine japanische Gedichtform, die aus 3 Zeilen besteht. Also ein Kurzgedicht.
In der ersten Zeile stehen bis zu 5 Silben, in der zweiten bis zu 7 Silben und in der dritten wieder bis zu 5 Silben.

Ähnlich wie ein Elfchen, was ich auch sehr liebe, geht es darum einen Moment bzw. ein Bild, meistens eine Naturbetrachtung, zu beschreiben.

Der alte Schreibtipp: Show – don’t tell! ist dabei immer wieder hilfreich und auch eine Herausforderung.

Doch in erster Linie geht es vor allem ums Spaß haben beim Schreiben und Kreieren der kleinen Kunstwerke.

 

Tag 1

Mit großem Sprung ins
unbekannte Feld hinein
ins Jetzt vertrauend.

 

Tag 2

Dorfidylle pur
nach der Arbeit vor dem Haus
dankbar ausruhen.

 

Tag 3

Vom  Leuchten entfacht
himmlischer Glücksdrachenflug
Wünsch dir jetzt etwas!

 

Tag 4

Mit großen Augen
bewacht der Baumgnom den Wald
mit Stolz und Magie.

 

Tag 5

Kopfüber hinein
auf leisen Katzenpfötchen
schnell weg ins Versteck.

 

 

 

Schritt für Schritt-Anleitung: Baumumarmung

Schritt für Schritt-Anleitung: Baumumarmung

Anleitung der Grundform der Baumzeremonie: die Baumumarmung

In meinem Blogartikel Was ist eine Baumzeremonie erfährst du wissenswertes über die Herkunft und Heilwirkungen von Baumzeremonien. In diesem Artikel zeige ich dir den Ablauf, wie du ganz für dich selbst, ohne fremde Hilfe, die Grundform der Baumzeremonien: die Baumumarmung, durchführen kannst.

Schritt 1 – einen Baum für die Zeremonie finden

Du suchst dir einen Baum, an dem du deine Baumzeremonie durchführen möchtest. Ob dieser in deinem Garten, im Park oder im Wald steht, ist dabei ganz egal. Er sollte dir auf jeden Fall gefallen, dich förmlich anziehen, deine Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Am Anfang ist es hilfreich, wenn du deine Suche mit dem Gedanken oder der Absicht „Ich finde jetzt einen geeigneten Baum für meine Baumzeremonie“ beginnst. Lass zu und vertrau darauf, dass dich deine Füße zu ihm führen werden. Du kannst dich auch auf dem Bereich um deinen Nabel, unserem Hara, konzentrieren. Sobald sich dort ein leichtes Ziehen oder ein gutes Gefühl zeigt, bist du auf einem guten Weg oder dein Baum zieht dich zu ihm. Folge diesen Impulsen, denn es gibt keinen falschen Baum. Die Bäume freuen sich meist darauf, dass wir mit ihnen in Kontakt treten.

Schritt 2 – sich mit dem Baum verbinden

Wenn du den für dich richtigen Baum für die Zeremonie gefunden hast, gehst du direkt zu ihm und beginnst dich, mit ihm zu verbinden.

Dabei berührst du (wenn möglich) den Baum mit deiner rechten Hand auf Hüfthöhe an der Baumrinde und läufst 3 x im Uhrzeigersinn um ihn herum. 

Deine Berührung mit dem Baum bleibt dabei die gesamten 3 Runden bestehen. So verbindest du dein Energiefeld mit dem des Baumes. Um so sensibler deine Wahrnehmung schon geschult ist, umso mehr wirst du den Unterschied zum „nur an den Baum lehnen“ feststellen können.

Sollte diese Form des 3 x um den Baum Laufens nicht möglich sein, ist natürlich auch ein „nur an den Baum lehnen“ ebenso eine hilfreiche Methode, sich mit dem Baum zu verbinden. Mancher Ort bietet nicht immer die Möglichkeit, den Baum komplett zu umkreisen.

Schritt 3 – den Baum umarmen

Nach dem sich in das Energiefeld des Baumes hinein“spiralisieren“  lehnst du dich nun mit deinem Bauch an den Baum und streckst beide Arme weit um ihn herum. Sollte der Stamm deines Baumes nicht so dick sein, kannst du auch deine Handinnenflächen in Brusthöhe an beiden Baumseiten, links und rechts platzieren. Achte darauf, dass sich die Haltung für deinen Körper bequem anfühlt. Atme in dieser Haltung mehrmals tief ein und aus und halte ein paar Minuten in dieser Haltung inne.

Schritt 4 – dem Baum zuhören und empfangen

Drehe nun deinen Kopf zur Seite, so dass dein rechtes Ohr den Baumstamm berührt. Das rechte Ohr ist bei uns Menschen das Ohr, mit dem wir unsere ganz eigenen Antworten in Form von subjektiven Wahrnehmungen hören. Auch wenn es sich für dich vielleicht komisch anhört, doch der Baum gibt dir Antworten.

Schritt 5 – mit dem Baum „sprechen“

Beginne nun mit dem Baum zu „sprechen“. Erzähl ihm von deinen Sorgen oder Nöten, stelle ihm Fragen. Das muss nicht mit lauter Stimme sein. Doch es wirkt noch kraftvoller, wenn du deinen Gedanken Stimme verleihst. Es reicht auch ein Flüstern oder Murmeln. Manchmal ist auch schon ein intensives an die Sache oder Situation denken ausreichend. Halte währenddessen immer wieder zwischendrin inne und lausche mit deinem rechten Ohr. Du wirst erstaunt sein, welche Antworten zu dir kommen. Diese Form von Austausch eignet sich auch sehr gut zum Gebete sprechen und sich etwas wünschen. Der Baumstamm wird so zum Kanal zwischen Himmel und Erde.

Schritt 6 – sich beim Baum bedanken

Wenn du das Gefühl hast, du bist mit deinen Gebeten oder deiner Zeremonie zu Ende, alles ist für diesen Moment gesagt, dann bedanke dich beim Baum. Zum Beispiel dafür, dass er für dich da war. Dafür, dass er dir Antworten gegeben hat. Dafür, dass er dir zugehört hat.

In der schamanischen Tradition gibt man zum Ausgleich für eine Zeremonie in der Natur der Natur einen Dank zurück, um das heilige Gesetz von Geben und Nehmen in Balance zu ehren. Meistens hinterlässt man dann am Ende der Zeremonie ein Prise losen Tabak oder Maismehl. Man muss dafür nicht gleich zum Raucher werden. Es gibt auch die Möglichkeit, etwas persönliches von sich am Baum zu hinterlassen. Das kann beispielsweise ein Haar von dir oder ein kleiner Stein oder eine kleine Feder sein. Ich bin mir sicher, du wirst eine schöne Form der Verabschiedung und des Ausgleiches nach dieser Zeremonie für dich finden.

Die Form der Baumzeremonie kannst du so oft wie notwendig durchführen. Jeden Morgen im Garten oder nach dem Joggen im Park, jeden Abend als kleines Dankbarkeitsritual … dir sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Ich wünsche dir ganz viele schöne Erfahrungen und beglückende Erlebnisse mit dieser ganz einfachen Baumzeremonie.

Was ist eine Baumzeremonie?

Was ist eine Baumzeremonie?

Die Baumzeremonie – Yoga für die Seele

 

Bäume sind seit Urzeiten ein Symbol des Lebens. Die Baumzeremonie kommt aus dem großen Reichtum des Naturheilwissens der indigenen Völker. In vielen Kulturen auf der ganzen Welt werden seit Urzeiten Bäume nicht nur als Symbol sondern auch als Quelle für Heilung genutzt.
In vielen Traditionen stehen dabei die Wurzeln des Baumes für die Verbundenheit zu „Großmutter“ Erde, die uns hält und nährt und die Krone des Baumes steht für das sich ins helle Licht strecken, in die offene Weite des Universums, aus dem alles entsteht.

 

Die Heilkraft von Bäumen

 

Wusstest du, dass Bäume dieselbe Aura wie dein eigener Körper besitzen?

Wusstest du, dass sie dadurch dein Energiefeld reinigen und heilen können?

Wusstest du, dass es dafür eine ganz einfache Methode gibt?

 

Die Baumzeremonien sind eine wunderbare Form, sich etwas Gutes zu tun und mit sich selbst in Einklang und Balance zu bringen. Denn wir sind mehr als unser physischer Körper. Jeder Mensch hat um sich herum ein ca. armlängengroßes unsichtbares Energiefeld, Aura genannt. Dieses Feld kann z.B. durch eine Aura-Fotographie sichtbar gemacht werden kann. Dort zeigt sich dann in unterschiedlichen Farben das Feld, das jeden Menschen umhüllt. Ähnlich kannst du dir das mit der Aura eines Baumes vorstellen.

Du musst jetzt nicht eine Aura-Fotographie deines Körpers anfertigen. Doch für die Durchführung einer Baumzeremonie ist es gut zu wissen, warum du bestimmte Dinge am Baum tust. Unser Verstand mag es, wenn er eine Erklärung für Dinge oder Situationen bekommt, die er nicht sehen kann.

Kennst du das Gefühl: Du gehst raus in den Park oder Wald und in dir verändert sich deine Stimmung, deine Haltung, dein Körper atmet auf – es tut einfach gut die frische Luft zu atmen, in Bewegung zu sein, umgeben von Pflanzen und Bäumen? Genau danach sehnen sich ganz viele Menschen.

In früheren Zeiten war es ganz normal, dass die Menschen nah und verbunden mit der Natur lebten. Alles richtete sich nach dem Rhythmus der Natur aus. Mit dem Sonnenaufgang standen die Menschen auf, mit dem Sonnenuntergang gingen sie zu Bett.

In der heutigen Zeit, mit all den vielen hochentwickelten technischen Fortschritten, ist vielen Menschen diese Verbundenheit zur Natur verloren gegangen. Die meisten Menschen haben für einen Spaziergang in der Natur nur noch nach der Arbeit oder am Wochenende Zeit. Die vielen Notwendigkeiten des Alltages oder Möglichkeiten zum Zeitvertreib lassen uns manchmal keine Zeit mehr dafür. Das entspannte in der Natur unterwegs sein kommt da schnell mal zu kurz.

Dabei ist gerade so einen Auszeit in der Natur so heilsam.

Das Grün der Blätter, die klare Luft, das Knacken und Knistern im Wald lösen etwas in uns aus: Körper und Seele tanken auf. Sich in seinem Körper und in seiner Haut wohlzufühlen gehört einfach zu den Grundbedürfnissen eines schönen erfüllten Lebens. Dabei kann dir eine Baumzeremonie helfen.

 

Formen von Baumzeremonien

 

In meiner schamanischen Ausbildung durfte ich die Heilkraft der Bäume in Form von Baumzeremonien kennen und lieben lernen. Die einfachste Form einer Baumzeremonie ist die Baumumarmung.

Doch neben dieser Grundform gibt es noch weitere Baumzeremonien. Viele dieser Zeremonien können dir dabei helfen, mehr Klarheit über deine Gedanken oder Gefühle zu bekommen, Visionen oder Antworten dafür zu finden, wie sich bestimmte Situationen deines Lebens weiterentwickelt. Auch können sie dir dabei helfen, zu mehr Gelassenheit und innerem Frieden mit dir selbst zu gelangen.

Jede Baumzeremonie läuft nach einer bestimmten Matrix, einem bestimmten Ablauf, ab. Trotzdem bleibt dir genug Freiraum für eigene kreative Varianten. Das ist das Schöne an diesen Zeremonien.
Sehr unterstützend und heilsam sind folgende Zeremonien:

  • die monatliche Baumzeremonie (zu Neu- oder Vollmond)
  • die vierteljährlichen Jahreszeiten-Baumzeremonien (am Tag des Jahreszeitenübergangs)
  • die Baumzeremonie zum Rad der Wahrnehmungen
  • die Baumzeremonie zum Rad der Vergebung
  • die Baumzeremonie zum Klären von Problemen
  • die Baumzeremonie der Fragen und Antworten
  • die Baumzeremonie der 5 Schilde

Eine Anleitung für die Grundform der Baumzeremonien, der Baumumarmung, findest du hier. (Link)

 

Wirkungen der Baumzeremonien

 

Das regelmäßige Durchführung von Baumzeremonien ist sehr heilsam auf den Körper. Nicht nur, dass du mehr Zeit mit dir selbst allein in der Natur verbringst. Deine Wahrnehmung erweitert sich, dein Körper reinigt sich und Schmerzen können verschwinden. Ebenso ist es auch für die psychische Seelenhygiene förderlich. Du lernst mehr und mehr deiner Intuition zu vertrauen, kommst deinen Wünschen und Bedürfnissen auf die Spur, deine Gefühle regulieren sich mehr und mehr. Du kommst mit allem in dir in mehr Balance.

Vor allem in Situationen, wo sprichwörtlich in deinem Leben die Luft brennt, wo du dich vielleicht mit deinem Partner oder mit deinen Kindern gestritten hast oder auf Arbeit alles chaotisch läuft, ist eine Baumzeremonie eine gute Möglichkeit, um wieder mit dir in Balance zu kommen. Am Baum kannst du die Dinge, die dich aufregen oder Verwirrung stiften, in Ruhe überdenken und neue Lösungsschritte finden.

 

Erfahrungen als „Baumkuschlerin“

 

Am Anfang fiel es mir nicht leicht, mich mitten in der Berliner Großstadt in meinem Lieblingspark in Schöneberg an einen Baum zu lehnen und ihn zu umarmen. Ich dachte damals sofort: ‚was wohl die anderen jetzt von mir denken?‘ – es war mir schlichtweg peinlich.

Doch irgendwann habe ich diese Angst und diese Gedanken überwunden. Ich fing damals an, jeden Morgen nach dem Joggen zum Abschluss an ein und denselben Baum zu gehen und ihn zu umarmen. Den Effekt, den ich erlebte, war großartig. Mein Herzschlag beruhigte sich viel schneller, ich bekam das Gefühl von Verbundenheit, ich ging viel beschwingter und positiv gestimmter nach Hause und durch meinen Tag.

Ich gebe zu, ja, anfangs kamen ab und zu auch Menschen vorbei, die mir auf die Schulter tippten und mich fragten, ob denn alles mit mir in Ordnung sei oder was ich hier den machen würde. Doch das ist mittlerweile über 20 Jahre her – heute überrascht es keinen mehr im Volkspark, wenn jemand einen Baum umarmt. Die Zahl der bekennenden Baumkuschler ist überall ansteigend.

Eines Tages erlebte ich während meiner Baumumarmung folgendes: Der Baum sagte auf einmal: geht jetzt nach Hause. Ich war damals ganz irritiert, wollte noch viel länger dort stehen bleiben und mit ihm „reden“, doch ich folgte seiner Ansage. Ich staunte nicht schlecht, als kurz darauf nachdem ich zur Haustür hereingekommen war, ein heftiger Regenguss mit Blitz und Donner begann. Das Gewitter war wie aus dem Nichts losgegangen. Ich wäre pitschnass geworden, wenn ich am Baum stehengeblieben wäre. Das ist eher eine harmlose Anekdote meiner Erlebnisse am Baum. Mittlerweile höre ich sehr genau auf die Dinge, die mir meine Bäume erzählen.

Eine andere wichtige Erfahrung während meiner Ausbildung war der Umgang unserer Lehrer mit uns. Bevor du deine Frage stellen durftest, wurdes du von ihnen gefragt: Warst du schon am Baum? Anfangs fand ich das lästig, doch so habe ich gelernt, die Zeit mit meinen Lehrern für wirklich wichtige Fragen zu nutzen. Für viele Fragen habe ich am Baum sofort eine Antwort gefunden. So habe ich gelernt, die Heilkräfte der Natur für mich zu nutzen und kann dich nur ermuntern, dich zu trauen, es einfach mal auszuprobieren.

Wenn du erst einmal die heilsame Wirkung einer Baumzeremonie gespürt hast, wirst du sie lieben lernen und sie so oft wie möglich in deinen Alltag integrieren.
Oft beantworte ich die Frage, was eine Baumzeremonie ist, damit: Eine Baumzeremonie ist nur eine andere Form von Yoga für die Seele.

Mein #12von12 im August 2021

Mein #12von12 im August 2021

Heute ist wieder der 12. des Monats.

Auch in diesem Monat nehme ich euch wieder mit durch meinen Tag.

Hier gibt es wieder 12 Bilder aus meinem Alltag …

Jeden Morgen um 6, wenn ich in meinen Reha-Zimmer die Augen öffne, blicke ich auf diesen Himmel. Im Juli war die Sonne dann über den Berg gestiegen, mittlerweile kommt sie erst später. Doch der Anblick ist immer wieder toll.

 

Mein erste Tat am Morgen … auf in den MTT-Raum und eine Runde Rudern. Was mach ich nur, wenn ich wieder zu Hause bin? Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen.

 

Auf meinem Zimmer wartet immer geduldig mein Laptop auf mich. Sobald ich keine Anwendung habe oder mit anderen unterwegs bin, sitze ich hier und schreibe …

 

Der Kurpark lädt überall zum Verweilen ein. Und falls ich mal mein Buch vergessen habe, kann ich mir in diesem zauberhaften Schrank etwas ausleihen. Eine tolle Idee und eine wirklich schöne Umsetzung mit all den Holzbänken und Blumenbeeten drum herum.

 

Beim Spazieren kam ich mal wieder am Hutgeschäft mit Cafe vorbei. Ein junges Ehepaar führt den Laden und die junge Frau meinte zu uns: hier findet jeder einen Hut für sich. Auf über 250 m² hängen, liegen, stehen alle möglichen Modelle und siehe da, sogar für meinen großen „Dick“kopf haben wir einen gefunden ;-). So starb ganz langsam in mir der alte Glaubenssatz: Mein Kopf sei für Hüte nicht gemacht.

 

Dieser Ort ist unglaublich, denn egal wo man hinläuft, überall wachsen und gedeihen die wundervollsten Blumen. Ich als Stadtkind kann mich gar nicht genug sattgucken und sattriechen bei dieser Fülle. Einfach traumhaft schön. Und wie glücklich bin ich, hier an diesem Ort im Sommer zu sein.

 

Nicht nur ich freue mich über die Vielfalt der Blüten … ganz Scharen von Bienen und Käfern laben sich an ihrem Nektar. Es summt und brummt überall …

 

Mitten im Kurpark gibt es eine kleine Gebetsoase, an der am Sonntag unter freiem Himmel ein Gottesdienst stattfindet. Daneben steht eine Bank des Zuhörens. Heute hab ich das erste Mal die Glocke mit den Märchenmotiven dort entdeckt.

 

… wenn es nicht überall summt und brummt, dann plätschert irgendwo ein Zufluss zur Alb. Sie fließt mit ihrem eiskalten Wasser durch das ganze Dorf, glücklicherweise gibt es hier kein Hochwasser.

 

3 Eisdielen gibt es hier im Ort und ich habe schon jede ausprobiert. Ich versuche nicht jeden Tag zu schlemmen, doch heute war mal wieder ein Eis fällig – 1 Kugel Pistazie und 1 Kugel Mocca mit Schokosplitt. mhhhh lecker.

 

Nach dem Abendbrot wird es auf einmal ganz laut. Ein Notfall im Ort (nicht in der Klinik) und schon kommt die Hilfe aus der Luft. Die Kinder auf dem Spielplatz rennen sofort zur Wiese. Wann bekommt man einen Hubschrauber so schnell noch einmal so nah zu sehen? Nach einer 3/4 Stunde düst er wieder ab und es ist wieder Ruhe.

 

Heute ergab sich für mich am Abend das zweite Mal die Gelegenheit zum Bogenschießen. Was für ein tolles Erlebnis. Ich bin richtig angefixt. Vielleicht wird das mein neues Hobby? Es kostes zwar viel Kraft, doch macht auch riesig Spaß. Ein dickes Danke an meine Mit-Rehabilitantin Christine, die mir heute diese Möglichkeit ein zweites Mal bot.

 

Was für ein toller Tag. Es waren hier heute das erste Mal wieder um die 30 Grad und es fühlte sich mal wieder wie nach richtigem Sommer an.

Und auch im nächsten Monat wird es am 12. September wieder heißen:    #12von12

Bis dahin wünsche ich euch allen eine wundervolle Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4-Wort-Story: Lavendel, Rose, Frosch, Höhle

4-Wort-Story: Lavendel, Rose, Frosch, Höhle

Karo saß an der Maschine. Tack tack tack tack tack tack … wie im Gleichschritt ratterte die Nadel hoch und runter, verband den Ober- und Unterfaden zu einem Stich. Einen nach dem anderen entstand das Zickzackgebilde am Rand des Stoffes. Ihr Fuß auf dem Pedal bestimmte die Schnelligkeit, war darauf getrimmt, in Sekundenschnelle die Geschwindigkeit zu ändern. Vor, zurück, langsam Stich für Stich oder auch mal ganz schnell, wenn es galt den Rand eines Saumes zu fixieren.

Heute war Freitag, ihr Nähtag. Sie liebte es, sich an diesem Tag in ihre Kreativ-Höhle zurückzuziehen. Zur Einstimmung strich sie zu Beginn meist erst einmal mit den Fingern über die Stoffe, die farblich sortiert in ihrem Vorratsregal lagen und darauf warteten, in schöne kleine Formen und Kissen verwandelt zu werden. Die Karostoffe lagen ganz oben, in der Mitte stapelten sich die Motivstoffe mit Rosen, Herzen oder in unterschiedlichen Leoprintmotiven. Ganz unten lagen die einfarbigen Stoffe ordentlich aufgeschichtet.

Das Nähen als Hobby kam erst vor ein paar Jahren ganz überraschend in ihr Leben. Ihr Mann hatte einige seiner Hemden aussortiert und die Säcke für die Kleidersammlung standen schon zur Abholung bereit. Obwohl sie in der Schule beim Nähprojekt in der 5. Klasse am Ende auf ihre Küchenschürze nur eine 4 bekommen hatte, wollte sie das mit dem Nähen noch einmal probieren. Sie nahm ein paar alte Hemden aus dem Sack wieder heraus und beschloss kurzerhand daraus kleine Säckchen mit dem im Herbst selbst geernteten Lavendel für den nächsten Weihnachtsbasar zu nähen. Die Aktion wurde ein voller Erfolg. Um die Säckchen noch attraktiver zu gestalten, veränderte sie die Form und begann später Tiere auf kleine Kissen zu nähen. Inspiriert wurde sie dazu durch das Lesen des Krafttierbuches von Jeanne Ruland. Die Krafttiere waren ein Thema, was sie schon lange interessierte. Sie selbst hatte zwei, die sie immer begleiteten und ihr Mut und Schutz gaben.

Über die Woche waren wieder einige Bestellungen bei ihr eingetroffen. Der eine wollte ein Krafttierkissen für sein Kind zum Geburtstag, ein anderer ein Entspannnungskissen für seine Frau. Beim Herstellen von besonderen Kissenwünschen versuchte sie sich immer den oder die Empfängerin vor ihrem inneren Auge vorzustellen. Ihr intuitiver Spürsinn war in den letzten Jahren so gewachsen, dass es sie nicht mehr überraschte, wenn sie nach dem Versenden der Kissen, ganz herzliches Feedback von ihren Kunden erhielt: „Wie schön, sie haben genau meinen Geschmack getroffen.“ Oder „Genau so habe ich mir das Geschenk vorstellt.“ Oder „Meine Frau strahlte so vor Freude.“

So wurde ihr anfangs gedachtes Hobby immer mehr zu einer immer größer werdenden Nebeneinkunftsquelle, mit der sie nie gerechnet hatte. Doch zum Hauptgeschäft wollte sie es nicht werden lassen. Serienproduktion wäre nichts für sie, denn sie liebte es, jedes kleine Kissen als kleines persönliches Kunstwerk zu gestalten.

Für jedes Krafttierkissen las sie zur Einstimmung im Internet oder im Buch jeweils die Bedeutung des Tieres nach. Heute suchte sie nach der Botschaft für den Frosch: Du meisterst schwierige Situationen, die dir fruchtbare Erkenntnisse bringen … Der Frosch fordert dich auf, nach innen zu schauen. Erkenne die Welt als Spiegel deiner Seele … Richte dich neu aus, spiele mit deinen Gestaltungsmöglichkeiten … Heilung geschieht …

Karo wusste aus eigener Erfahrung, dass jedes Tier einen kraftvolle Medizin für den jeweiligen Träger bereithielt. Sie war so glücklich, dass sie diese Magie in jedes ihrer Kissen mit einnähen konnte und so etwas ganz individuell Besonderes zu erschaffen.

Und jeden Samstag erfüllte es sie mit viel Freude, wenn sie ihre liebevoll verpackten Päckchen auf den Weg zu ihrem Bestimmungsort zur Post brachte. Immer wieder sagte sie dann zu ihrem Mann: Danke, dass du damals so viele karierte Hemden aussortiert hast.

 


Ein herzliches DANKE an Nicole aus der The-Content-Society für die inspirierende „Wörterspende“.


 

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4-Wort-Story: Zauberei, Haarwurzelentzündung, Dauerbrenner, Stoppersocken

4-Wort-Story: Zauberei, Haarwurzelentzündung, Dauerbrenner, Stoppersocken

Die Türglocke im Salon schellte. Klara schaute kurz hoch und nickte der Frau mit dem Turban auf dem Kopf grüßend zu.

„Einen Moment bitte. Sie können sich gerne schon dort hinten hinsetzen. Ich brauche hier noch kurz.“

Sie bestrich noch schnell die letzten Strähnen mit Farbe, bevor sie sie in Stanniolpapier wickelte.

„So Frau Jeschke, wir sind jetzt erst einmal fertig. Wenn sie wollen können sie sich draußen in die Sonne setzen. Die Farbe muss jetzt mal einwirken. Marie bringt ihnen gerne auch noch einen Kaffee.“

Frau Jeschke brummte etwas und erhob sich schwerfällig aus dem Stuhl. Aus ihren Latschen klafften ihre zu großen roten Stoppersocken. Seit sie Diabetes hatte, konnte sie sich nicht mehr zum Schuhe zumachen bücken. Da wurde die Schuhwahl kleiner. Zu Hause lief sie nur noch in den Socken mit Stopperpunkten, bis über die Straße mussten die Latschen reichen. Klara gab ihrer Tochter Marie hinterm Vorhang ein Zeichen, dass sie einen Kaffee bringen sollte und wandte sich der neuen Kundin zu.

„Was kann ich für sie tun?“

Die Frau schaute sie mit rot geränderten Augen an und begann vorsichtig den Turban abzuwickeln. Ein kurzer Blick reichte aus, dass Klara das Drama erkannte. Eine riesige Haarwurzelentzündung am Hinterkopf. Das sah schmerzhaft aus.

„Haben sie sich die Haare dort selbst entfernt?“

Die Frau nickte schüchtern. Es tat so weh, da habe ich einfach die Schere genommen und alles drum herum abgeschnitten und den Pickel aufgedrückt.

Klara kannte das Dilemma. Es war ein Dauerbrenner in ihrem Salon. Doch dieses Mal sah die Stelle besonders schlimm aus.

„Seit wann ist das so entzündet? Damit müssen sie zum Arzt gehen, da kann ich ihnen nicht helfen.“

„Meine Freundin hat aber gesagt, dass sie ihr auch schon einmal mit Kräutern und Salben geholfen haben. Können sie es nicht wenigstens probieren? Ich will nicht zum Arzt. Das ist mir viel zu peinlich.“

Klara kannte ihren Ruf. Bevor sie diesen Laden eröffnet hatte, unterhielt sie eine Heilpraxis für Alternativmedizin. Bis heute schickten ihr ihre alten Kunden neue Patienten. Die Mundpropaganda funktionierte immer noch gut.

„Nein, es tut mir leid, aber hier hört meine Zauberei auf. Die Wunde hat sich entzündet. Das muss sich ernsthaft ein Arzt ansehen. Damit stoße ich an meine Grenzen. Das mach ich nicht.“

Die Frau band sich enttäuscht wieder ihren Turban um den Kopf. Klara wollte ihr dabei helfen, doch die wütenden Augen der Frau hielten sie davon ab, noch etwas zu sagen. Sie begleitete sie noch bis zur Tür und verabschiedete sich.

„So Frau Jeschke, jetzt können wir gerne weiter machen. Wo waren wir vorhin im Gespräch stehengeblieben? Ihr Sohn kommt sie bald mal wieder besuchen … „

Klara wischte die Gedanken an die Frau mit dem Turban wieder weg, setzte ihr Lächeln auf und half Frau Jeschke von der Bank aufzustehen. Sie wusste, warum sie damals ihre Heilpraxis aufgegeben hatte.

 


 

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4-Wort-Story: Freiheit, kunterbunt, Baumhaus, Sehnsucht

4-Wort-Story: Freiheit, kunterbunt, Baumhaus, Sehnsucht

„Kannst du mir bitte mal den Hammer herüberreichen?“
Tom ging ein paar Schritte den Ast entlang und streckte sich zu Maren, um ihr den Hammer zu reichen. Hat es da schon wieder geknackt? Tom horchte. Ihm war der Baum nicht geheuer. Ständig knackte und knarrte es in ihm. Doch Maren wollte unbedingt hier in dieser alten Kirsche ihr lang erträumtes Baumhaus bauen.

„Maren pass bitte auf. Hier auf diesem Ast hat es gerade schon wieder geknackt.“
„Ach Tom, ich weiß. Ich bau mir jetzt hier trotzdem mein Haus. Du musst ja nicht drin schlafen. Wenn es dir zu gefährlich ist, geh doch ins Haus und mach dort weiter. Ich komm hier schon klar.“

Als Kind hatte Maren meistens den größten Teil der Ferien auf dem Dorf ihrer Großeltern verbracht. Dort stand eine alte Zink-Badewanne im Garten. Wenn das Wetter mitspielte, legte ihre Großmutter ihr abends ein paar alte Decken in die Wanne und Maren lag dort drin, bis sie einschlief. Am anderen Morgen erwachte sie dann unter der großen Bettdecke im großen Ehebett neben ihrer Oma. Seit ihr Großvater gestorben war, durfte sie immer neben ihr schlafen. Seit damals träumte sie davon, im Sommer in einem Baumhaus zu schlafen. Sie liebte diese Freiheit so mitten im Rauschen von Blättern im Wind, der Himmel und die Sterne über ihr. Sie hatte keine Angst. Der Baum und sie waren eins.

Tom kletterte von der Leiter, die bis zu den ersten Ästen reichte. Für ihn war das Leben auf Bäumen nichts. Er liebte eher sicheren Boden unter den Füßen. Er ging über die Wiese bis zum Haus. Maren würde sich schon melden, wenn sie seine Hilfe bräuchte. Im letzten Sommer hatten sie beide beschlossen, sich ein kleines Häuschen auf dem Land zu suchen. Sie wollten wenigstens am Wochenende oder im Sommer mehr Zeit außerhalb der quirligen heißen Stadt verbringen. Sein Kollege schickte ihm damals die Anzeige: „Villa kunterbunt in liebevolle Hände abzugeben“.
Maren war sofort begeistert, wollte es sofort kaufen. Das Haus sah zwar ziemlich heruntergekommen aus, doch sie waren beide handwerklich begabt. So hatten sie in den letzten Monaten die Außenfassade repariert, das Dach ausgebessert und die Fensterläden neu gestrichen. Auch innen gab es einiges zu tun. Doch es hat sich gelohnt. Sie hatten abgemacht, dass jeder einen Raum ganz für sich gestalten durfte. In Marens Zimmer strahlte gold und rot von den Wänden. Nicht nur auf dem Fensterbrett, nein überall standen und hingen schöne zum Teil ungewöhnliche Dinge, denn Maren hatte die Angewohnheit, sich von jeder Reise etwas als Erinnerung mitzubringen. Sie sagte immer, dass würde ihre Sehnsucht nach der Ferne ein wenig bändigen.
Toms Zimmer war dagegen sehr schlicht. Bis auf sein Bett und einen Tisch für seinen Laptop standen nur noch zwei alte afrikanische Stühle im Raum. Die Wände hatte er in zartem grau gestrichen. Nur bei Küche, Bad und Wohnzimmer galt das Prinzip der Abstimmung. Viele Nächte haben sie über Katalogen gehockt, um Fliesen auszuwählen oder Schränke und anderes Mobiliar zu bestellen. Nun waren sie fast überall fertig. In ein paar Wochen wollten sie ihre Freunde übers Wochenende zu einer Einweihungsparty laden. Bis dahin sollte auch das Baumhaus im Garten fertig sein.

Maren und ihr Baumhaus, dachte Tom. Wie oft hatte sie ihm mit allen Details davon vorgeschwärmt. Jetzt endlich nahm es Form an. Er hoffte nur, dass der Baum sie wirklich trägt.

 


Ein herzliches DANKE an Ruth Langer für die inspirierende „Wörterspende“.


 

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4-Wort-Story: Kettensäge, Friedhof, Gänseblümchen, Hofhund

4-Wort-Story: Kettensäge, Friedhof, Gänseblümchen, Hofhund

An der Tür zum Gasthof hing ein Schild: Heute Geschlossene Gesellschaft. Frieder schaute von der Tür noch einmal in den Saal. Auf allen Tischen glänzten die Gläser, die Bestecke lagen exakt in Reih und Glied, die Tischkärtchen standen gut sichtbar verteilt. Jetzt konnte die Feier losgehen. Im Dorf läuteten schon die Glocken, dass hieß, er musste sich beeilen, um nicht die Hochzeit seiner kleinen Schwester zu verpassen. 5 Minuten später verließ er den Hof, warf Zottel, ihrem Hofhund, noch ein Leckerli hin und eilte zur Kirche. Alle hatten schon auf ihn gewartet, denn ohne ihn wollte Mika die Kirche nicht betreten. Für Mika war ihr Bruder Frieder alles. Nach dem Tod ihrer Eltern kümmerte er sich um sie. Er war ihr Anker. Als er sie sah, traute er seinen Augen nicht.
Sie hatte ihm immer wieder verboten, sie vor der Hochzeit in ihrem Kleid zu sehen.
„Das ist eine Überraschung“, sagte sie nur.
„Und verdirb sie mir ja nicht“, warnte sie ihn immer wieder nachdrücklich.
Das fiel Frieder schwer, machte er sich doch ständig Sorgen um sie. Er wollte sie doch nur beschützen. Doch jetzt war sie groß, wollte ihre eigenen Entscheidungen treffen. Seit sie sich in Holger verliebt hatte, zog sie sich immer weiter von ihm zurück, wich ihm öfter aus, ging ihre eigenen Wege.

Frieder kannte Holger schon lange. Als Kinder waren sie einmal dicke Freunde, gingen in eine Klasse und oft gemeinsam in die Berge klettern. Doch dann ging Frieder weiter zur Schule und Holger lernte Galabau. Heute ist Holger der beste Baumpfleger in der Gegend. Er klettert mit seiner Kettensäge in die Bäume und macht sie wieder wetterfest für die nächsten Stürme oder zerkleinert sie Ast für Ast, bis nur noch der Stamm zum Fällen übrigblieb. Frieder wusste, wie sehr Holger seine Arbeit liebte. Doch seine Arbeit war nicht ungefährlich. Daher sprühte er nicht vor Freude, als ihm seine kleine Schwester ihre Liebe zu Holger gestand.

Sie war doch so zerbrechlich, dachte er immer wieder. Einen zweiten Verlust würde Mika wieder schwer treffen. Er hatte immer noch die Bilder von der Zeit nach dem Tod ihrer Eltern im Kopf, erinnerte sich, wie er mit Engelsgeduld Mika wieder dazu brachte, etwas zu essen und wieder zu sprechen. Doch Mika liebte Holger. Damit musste sich Frieder nun einmal abfinden.
Doch nun stand sie strahlend vor ihm. Sie hatte das Hochzeitskleid ihrer Mutter an. Doch zusätzlich hatte sie Gänseblümchen wie kleine Schnecken und Kränze auf das Kleid genäht. In den Haaren, an den Armen überall hingen Gänseblümchen. Nur er wusste, dass es die Lieblingsblumen ihrer Mutter waren. Als Kinder brachten die beiden nach dem draußen herumtollen und dreckig und verschmiert nach Hause kommen, ihrer Mutter zur Entschuldigung oft ein kleines Sträußchen dieser Blumen mit. Diese lachte dann und rief nur: „sofort ab in die Badewanne, ihr beiden Waldelfen!“

Die Frau vom Pfarrer kam um die Ecke und mahnte: „Die anderen warten schon. Ihr solltet jetzt kommen. Der Pfarrer will beginnen.“

Mika hielt ihrem Bruder den Arm hin und er harkte ein, denn ihr Wunsch war, dass er sie zum Altar führe. Sie hielt noch einmal kurz inne und flüsterte zu ihm: „Es bleibt doch dabei, auf dem Weg zum Gasthof halten wir noch kurz am Friedhof ? Ich will Mama auf jeden Fall noch ihr Kleid zeigen.“

„Na klar, du weißt doch, dir kann ich keinen Wunsch abschlagen. Versprochen ist versprochen! Nun sollten wir uns aber wirklich beeilen, sonst überlegt es sich Holger noch einmal mit dir“. Sie lachten beide laut auf und betraten durch das Tor die Kirche. Frieder kamen die Tränen. Denn überall hingen auch dort Gänseblümchen. Es war ihm auf einmal als wären seine Eltern mit dabei. Diese Überraschung war seiner kleinen Schwester wirklich gelungen.

 


Ein herzliches DANKE an Susanne für die inspirierende „Wörterspende“.


 

Diese kleine Kurzgeschichte hat dich inspiriert oder berührt?

Manchmal klingen sie auch noch in dir nach oder regen dich selbst zum kreativen Schreiben oder Gestalten an?

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Ich danke dir für deine Unterstützung und Großzügigkeit.